Jon Krause

Letzter Ausweg aus Kabul?

NEU-DELHI – Begleitet von wachsenden Zweifeln an der Strategie von Präsident Barack Obama nähert sich Amerikas Krieg in Afghanistan einem Wendepunkt. Obwohl  21.000 zusätzliche Einsatzkräfte entsendet wurden, zieht Obama eine Truppenverstärkung um weitere 14.000 Soldaten in Erwägung.

Eines sollte uns klar sein: Amerikas Afghanistankrieg ist nicht zu gewinnen, auch wenn Obama das amerikanische Ziel einer Besiegung der Taliban dahingehend umdefiniert hat, Al-Qaida davon abzuhalten, Afghanistan als Basis für Angriffe auf die Vereinigten Staaten zu nutzen. Doch Al-Qaida ist kein ernst zu nehmender Faktor im Afghanistankrieg mehr, in dem das amerikanische Militär und die Taliban mit ihren verbündeten Milizen und Privatarmeen gegenwärtig die Hauptakteure sind. Die USA trachten nicht nach einem Sieg über die Taliban, sondern haben stattdessen pakistanische, afghanische und saudische Geheimdienste angehalten, stellvertretend Verhandlungen mit der Führungsspitze der Taliban zu führen, die sich in der pakistanischen Stadt Quetta verschanzt hat.

Die USA führen den falschen Krieg. Nachdem Amerikas Invasion die Anführer von Al-Qaida aus Afghanistan vertrieben hat, entwickelte sich Pakistan zur wichtigsten Basis und zum Zufluchtsort für transnationale Terroristen. Auch die Unterstützung und der Unterhalt für die Taliban und viele andere afghanische Kämpfer kommen aus Pakistan. Dennoch setzt Obama in Afghanistan auf militärische Verstärkung; in Pakistan hingegen, das gegenwärtig der weltweit größte Empfänger US-amerikanischer Unterstützung ist, weitet er die Hilfeleistungen aus.

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