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Lagardes Herausforderungen

CHICAGO – Nun, da sich der Staub nach der Wahl der geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds gelegt hat, kann sich die Organisation wieder ihrer Kernaufgabe der Krisenbewältigung zuwenden. Christine Lagarde, eine kompetente und renommierte Technokratin, wird angesichts dreier wichtiger Herausforderungen alle Hände voll zu tun haben.

Die erste und wahrscheinlich einfachste Herausforderung besteht in der Wiederherstellung des öffentlichen Image des IWF. Obwohl das Strafverfahren gegen Dominique Strauss-Kahn aufgrund von Vergewaltigungsvorwürfen nun höchst ungewiss ist, lässt das damit verbundene Augenmerk auf den IWF das Bild einer unkontrollierten internationalen Bürokratie entstehen, an der Spitze Männer mit wenig Gespür für Zurückhaltung, aber dafür unbegrenzten Spesenkonten stehen.

Glücklicherweise ist die Wahrheit prosaischer. Die Führungspersonen des IWF verfügen lediglich über streng limitierte Spesenkonten (keine 3.000 Dollar für eine Nacht im Hotel trotz anders lautender Pressemitteilungen). Überdies sind sie im Vergleich zu ähnlich qualifizierten und erfahrenen Führungskräften in der Privatwirtschaft insgesamt unterbezahlt.

Wie in vielen Organisationen, wo Mitarbeiter gemeinsam auf lange Geschäftsreisen gehen, gibt es auch beim IWF einen gewissen Anteil an Büro-Romanzen. Dennoch ist das Umfeld professionell und nicht frauenfeindlich. Ein Vorfall aus der Vergangenheit -  Strauss-Kahn hatte eine ungebührliche Beziehung zu einer Untergebenen, entkam aber glimpflich - signalisiert allerdings, dass der Fonds eindeutigere Richtlinien hinsichtlich akzeptablen Verhaltens und strengere Strafen bei deren Übertretung braucht. Auch andere Organisationen hatten sich mit ähnlichen Problemen zu beschäftigen. Der IWF muss die nötigen Änderungen umsetzen und – ebenso wichtig – vermitteln, dass der DSK-Vorfall eine Verirrung und nicht die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs war.