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König Menems Lebewohl

Wie die Monarchen des Altertums glauben lateinamerikanische Caudillos, lebenslange Macht sei das natürliche Attribut ihres Standes.

Die letzten Tage der politischen Karriere des ehemaligen Präsidenten Carlos Menem, der bis zuletzt um sein politisches Überleben kämpfte, ist ein pathetisches Beispiel für diese Tradition. Konnte er die Stichwahl um das Präsidentschaftswahlen am 18. Mai nicht gewinnen - und es war schon vor dem Urnengang klar, dass ihm rund 70% der Wähler einen fast Unbekannten vorziehen würden - dann würde er nicht mehr mitspielen.

Also verkündete der alte Tyrann, umgeben von Leibwächtern und weinenden Anhängern, dass er sich aus dem Rennen zurückziehen werde. Das Szenario war argentinischer magischer Realismus in Reinform: Menem, der alte, aber ungebeugte Caudillo, küsst die Hände seiner Gefolgsleute, die ihm von seinem ausgeplünderten Garten nahe dem Wendekreis des Steinbocks zujubelten.

Der Caudillo, der den glorreichen Tagen der 90er vorstand, ging aus dem Rennen, um sich selbst zu retten, um einer Niederlage auszuweichen und um Nestor Kirchner zu schwächen, den Mann aus Patagonien, der jetzt Argentiniens 49. Präsident ist. Obwohl das öffentliche Aufbegehren angesichts seiner Taktiken ein Comeback unwahrscheinlich macht, träumt Menem noch immer davon, sich mit seinen besiegten Truppen zurückzuziehen und von einem sicheren Versteck aus wieder in Form zu bringen.