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Wie das Wachstum in Russland abgewürgt wird

Ich wünsche mir Russland als ein langweiliges Land – zumindest für die nächsten paar Jahrzehnte. Im 20. Jahrhundert hat Russland einen unzweifelhaften Rekord an Umstürzen und sozialen Experimenten aller Art aufgestellt, die die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zogen. Eine Auszeit ist unumgänglich.

Dieses Ziel schien bis in die erste Jahreshälfte 2003 hinein eindeutig in Reichweite – oder zumindest erreichbar. In Moskau akkreditierte ausländische Korrespondenten klagten darüber, dass in Putins Russland nichts passiere. Die Investitionen in die russische Wirtschaft wuchsen schnell. Unglücklicherweise aber sind es die russischen Herrscher nicht gewöhnt, das Land und die übrige Welt lange ohne eine Überraschung zu lassen, die aller Augen auf sich zieht.

Ein Gefühl der Unsicherheit zu verbreiten, ist die beste Art und Weise, um seine Bevölkerung bis zur Unterwürfigkeit einzuschüchtern und potenzielle Investoren zu verschrecken. Wie demokratisch oder undemokratisch ein Regime ist, ist den Anlegern normalerweise egal. Was sie brauchen und was sie interessiert, sind allein feste, verlässliche Regeln.

Tatsächlich lautet das Schlüsselwort bei Großinvestoren „Massenträgheit“. Es braucht Zeit, zu entscheiden, ob man in ein Projekt investieren soll oder nicht, und ist die Entscheidung erst einmal gefallen, ist es ziemlich schwierig, den Prozess schnell zu stoppen. Die russische Regierung allerdings tut derzeit ihr Bestes, um zu zeigen, dass es zwar schwierig, aber nicht unmöglich ist, den Gesetzen der Wirtschaftsphysik zu trotzen und bereits angelaufene Investitionen abzuwürgen.