Warum Vermögensteuern nicht reichen werden

CAMBRIDGE – Sollen Industrieländer Vermögensteuern einführen, um die Staatsschulden mittelfristig zu stabilisieren und zu reduzieren? Der üblicherweise konservative Internationale Währungsfonds unterstützt diese Idee überraschenderweise energisch. Der IWF rechnet, dass eine einmal erhobene Vermögensteuer im Ausmaß von 10 Prozent bei rascher und unvermuteter Einführung die Schuldenquoten vieler europäischer Länder auf Vorkrisenniveau drücken könnte. Das ist eine faszinierende Idee.

Das moralische Argument für eine Vermögensteuer ist heute zwingender als sonst, da sich die Arbeitslosigkeit noch immer auf Rezessionsniveau befindet und die tiefgreifenden wirtschaftlichen Ungleichheiten eine Belastung der sozialen Normen darstellen. Und wenn es tatsächlich gelänge, eine Vermögensteuer wirklich nur vorübergehend einzuführen, könnte eine derartige Steuer prinzipiell viel weniger verzerrend wirken, als höhere Grenzsteuersätze auf Einkommen. Doch obwohl eine Vermögensteuer eine vernünftige Möglichkeit wäre, einem Land aus einem tiefen haushaltspolitischen Loch zu helfen, ist sie leider kaum ein Allheilmittel.

Zunächst ist festzustellen, dass die Einnahmenszuwächse aus einer temporären Vermögensteuer sehr schwer erreichbar sein können. Der Ökonom Barry Eichengreenuntersuchte die Einführung von Kapitalabgaben im Gefolge des Ersten und des Zweiten Weltkriegs. Er stellte fest, dass die Ergebnisse aufgrund von Kapitalflucht und politischem Druck für eine Verschiebung oft enttäuschend ausfielen.

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