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Die Zukunft des wirtschaftlichen Fortschritts

WASHINGTON, DC – Langsam aber sicher tritt die Debatte über die Natur des wirtschaftlichen Wachstums in eine neue Phase ein. Die auftauchenden Fragen unterscheiden sich derart von denen der letzten Jahrzehnte, dass man einen Wandel des konzeptionellen Rahmens erkennen kann, der die Diskussion des wirtschaftlichen Fortschritts – und der Wirtschaftspolitik – von jetzt ab prägen wird.

Die erste Frage über das mögliche Tempo zukünftigen Wirtschaftswachstums führte unter Ökonomen zu ernsthaften Meinungsverschiedenheiten. Robert Gordon von der Northwestern University glaubt beispielsweise, dass die US-Wirtschaft mittelfristig froh sein kann, wenn sie jährlich 0,5% Pro-Kopf-Wachstum erreicht. Andere wie Dani Rodrik haben für die Entwicklungs- und Schwellenländer eine Version des Wachstumspessimismus entwickelt. Die Schlüsselprämisse, die von vielen dieser führenden Experten vertreten wird, besteht darin, dass sich der technologische Fortschritt verlangsamen werde, und damit auch die Aufholgewinne, die für Entwicklungs- und Schwellenländer am wichtigsten sind.

Auf der anderen Seite stehen die „Vertreter neuer Technologien“. Sie argumentieren, wir ständen am Beginn einer vierten industriellen Revolution, die durch „wirklich intelligente Maschinen“ bestimmt wird, welche gering und mittel qualifizierte menschliche Arbeit beinahe perfekt ersetzen könnten. Diese „Roboter“ (einige davon in der Form von Software) und das „Internet der Dinge“ würden in Bereichen wie Energieeffizienz, Transport (z.B. selbst fahrende Fahrzeuge), medizinischer Versorgung und spezialisierter Massenproduktion (durch 3D-Druck) zu enormen neuen Produktivitätszuwächsen führen.

Die zweite Frage ist die nach der Einkommensverteilung. In seinem von Beginn an berühmten Buch argumentiert Thomas Piketty, grundlegende wirtschaftliche Kräfte führten zu einer dauerhaften Steigerung des Profitanteils am Gesamteinkommen, wobei die Kapitalrendite immer oberhalb des Wirtschaftswachstums liegt. Darüber hinaus wurde häufig festgestellt, dass, wenn weniger qualifizierte Arbeit durch Kapital ersetzt wird und die Ausbildungssysteme zur Bereitstellung ausreichender neuer Fähigkeiten lange Anpassungszeiten benötigen, die Ungleichheit durch größere Einkommensunterschiede zwischen hoch qualifizierten und anderen Arbeitskräften stärker zunimmt.