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Karzais Legitimationskrise

Nach der Lektüre der jüngsten Zeitungsberichte könnte man zu dem Schluss kommen, dass eine verstärkte Präsenz friedenserhaltender Truppen und eine schnellere Abwicklung der internationalen Hilfsleistungen alles wäre, was der afghanische Staatschef Hamid Karzai zur Befriedung seines Landes braucht. Das Zuckerbrot internationale Hilfe und die Peitsche der friedenserhaltenden Truppen werden schon verhindern, dass Karzais Regierung vor der Zeit dahinscheidet, so der allgemeine Tenor.

Dieser Logik folgend, haben die USA darauf gedrängt, die Hilfslieferungen noch weiter zu forcieren - eine Aufgabe mit der man wohl vertraut ist, nachdem schon während der Herrschaft der Taliban neun Zehntel der Hilfsgelder für Afghanistan aus den USA gekommen waren. Präsident Bushs Ankündigung, wonach die USA, Japan und Saudi Arabien einen 180 Millionen-Dollar-Fond zum Wiederaufbau des rudimentären Straßensystems in Afghanistan schaffen, ist die jüngste Maßnahme, um den Fluss internationaler Hilfsgelder zu beschleunigen.

Die hauptsächlich von Türken gestellte internationale Sicherheitstruppe soll aufgestockt und ihr Mandat auf das gesamte Land ausgeweitet werden. Dieser Vorschlag des amerikanischen Verteidigungsministers Paul Wolfowitz bedeutet eine Abkehr von der früheren amerikanischen Position, wonach die friedenserhaltenden Truppen nur in Kabul eingesetzt werden sollten, damit sie den amerikanischen Operationen gegen Al-Qaida und die letzten unverdrossenen Taliban-Kämpfer nicht in die Quere kommen.

Diese Politik von Zuckerbrot und Peitsche ist nicht falsch, sondern unzureichend. Man nimmt nicht zur Kenntnis, dass weder erweiterte Friedenserhaltung noch effizientere Hilfslieferungen zum gewünschten Ergebnis führen, solange die afghanische Öffentlichkeit nicht das Gefühl hat, von der Regierung Karzai gebührend vertreten zu werden. Momentan hat sie es nicht.