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Urteil in Phnom Penh

Drei Jahrzehnte nachdem die Roten Khmer ein Viertel der sieben Millionen Kambodschaner umgebracht haben, wird bald ein Gericht seine Pforten öffnen, um den hauptverantwortlichen überlebenden Anführern den Prozess zu machen.

Im Rahmen eines Abkommens zwischen den Vereinten Nationen und der kambodschanischen Regierung wurden nun 13 ausländische Richter und Ankläger ausgewählt, um neben ihren 17 kambodschanischen Kollegen ihren Dienst zu verrichten. Diese eklektische Gruppe von Juristen wird in der ersten Juliwoche ein ungewöhnliches Experiment in internationalem Recht starten. Im Laufe der nächsten drei Jahre werden die passend benannten Außerordentlichen Kammern versuchen, ein Maß für die rechtliche Verantwortung für einen der schlimmsten Völkermorde des zwanzigsten Jahrhunderts zu finden. Wahrscheinlich werden zwei von Pol Pots engsten und mächtigsten Mitstreitern zu den Angeklagten gehören: Nuon Chea, ein Parteivorsitzender der Roten Khmer, und Ieng Sary, der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister.

Bedenkt man, wie lange es gedauert hat, bis das Projekt in Gang kam – die Gespräche waren ein ewiges Hin und Her und zogen sich über neun Jahre hin – ist die bloße Existenz dieses Gerichts ein Anlass zum Feiern. Doch wird der Test für die Verhandlungen sein, ob es dabei auf Tatsachen ankommt und ob sie unparteiisch sind und den internationalen Standards entsprechen – und auch so gesehen werden.

Aus historischen Gründen und von Gesetzes wegen teilen sich die kambodschanische Regierung und die internationale Gemeinschaft die Verantwortung, dieses Gericht zu einem Erfolg werden zu lassen. Dazu müssen sie mehrere große Herausforderungen meistern.