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Das Innovationsrätsel

NEW YORK – Überall auf der Welt herrscht enorme Begeisterung über die Art von technologischer Innovation, wie das Silicon Valley sie symbolisiert. Aus dieser Warte stellt Amerikas Erfindungsgabe seinen wahren komparativen Vorteil dar, den andere zu imitieren suchen. Eines jedoch verblüfft: In den BIP-Statistiken scheinen sich diese Innovationen nicht niederzuschlagen.

Eine ähnliche Entwicklung hatten wir vor ein paar Jahrzehnten, zu Beginn der PC-Ära, schon einmal. Der für seine Pionierarbeiten zum Wachstum mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Ökonom Robert Solow lamentierte 1987: „Sie können das Computerzeitalter überall sehen außer in der Produktivitätsstatistik.“ Es gibt hierfür eine Reihe möglicher Erklärungen.

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Sinan Ülgen engages the views of Carl Bildt, Dani Rodrik, Marietje Schaake, and others on the future of one of the world’s most strategically important countries in the aftermath of July’s failed coup.

Möglicherweise erfasst das BIP die Verbesserungen beim Lebensstandard, die die Innovationen des Computerzeitalters hervorrufen, nicht richtig. Oder vielleicht sind diese Innovationen weniger bedeutsam, als ihre Anhänger das glauben. Tatsächlich ist an beiden Sichtweisen etwas dran.

Man erinnere sich, wie stolz der Finanzsektor vor ein paar Jahren – direkt vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers – auf seine Innovationsfähigkeit war. Angesichts der Tatsache, dass die Finanzinstitute damals die besten Köpfe aus aller Welt anlockten, hätte man nichts anderes erwartet. Doch bei näherer Betrachtung wurde klar, dass es bei den meisten dieser Innovationen primär darum ging, bessere Methoden zu entwickeln, um andere über den Tisch zu ziehen, die Märkte zu manipulieren, ohne erwischt zu werden (zumindest für lange Zeit), und seine Marktmacht auszunutzen.

In jener Phase, als Ressourcen in diesen „innovativen“ Sektor strömten, war das BIP-Wachstum deutlich niedriger als in der Zeit davor. Zu einem Anstieg des Lebensstandards (außer für die Banker) kam es nicht, dafür jedoch letztlich zu der Krise, von der wir uns erst jetzt langsam erholen. Der gesellschaftliche Nettobeitrag all dieser „Innovationen“ war negativ.

In ähnlicher Weise war die Dotcom-Blase, die dieser Phase voranging, von Innovationen geprägt – Websites, durch die man Hundefutter und Limonaden online bestellen konnte. Zumindest hinterließ diese Zeit ein Erbe effizienter Suchmaschinen und eine Glasfaserinfrastruktur. Aber es ist keine einfache Sache, einzuschätzen, wie die vom Online-Einkauf ausgehende Zeitersparnis oder die möglichen Kosteneinsparungen, die von einem verstärkten Wettbewerb herrühren (bedingt durch leichtere Online-Preisvergleiche), unseren Lebensstandard beeinflussen.

Zwei Dinge sollten klar sein. Erstens ist die Gewinnträchtigkeit einer Innovation nicht unbedingt ein guter Maßstab für ihren Nettobeitrag zu unserem Lebensstandard. In unserem heutigen Wirtschaftssystem, in der der Gewinner alles bekommt, mag ein Innovator, der eine bessere Website für den Einkauf und die Auslieferung von Hundefutter entwickelt, jeden auf der Welt mit einem Internetanschluss dazu bringen, sein Hundefutter online zu bestellen, und dabei enorme Gewinne einstreichen. Doch wäre der größte Teil dieser Gewinne ohne diesen Lieferservice einfach an andere Anbieter geflossen. Der Nettobetrag der Website zum Wirtschaftswachstum könnte tatsächlich relativ gering sein.

Mehr noch: Wenn eine Innovation (wie die Geldautomaten der Banken) zu erhöhter Arbeitslosigkeit führt, spiegeln sich in der Ertragskraft dieser Firmen die sozialen Kosten – das Leid derjenigen, die entlassen wurden, oder die erhöhten Kosten des Staates für die Zahlung von Arbeitslosenhilfe – nicht wider. Genauso spiegelt das BIP als Messgröße die Kosten der erhöhten Unsicherheit, die die Einzelnen angesichts des erhöhten Risikos, ihre Arbeit zu verlieren, empfinden, nicht wider. Genauso wichtig: Es spiegelt häufig die Steigerungen des Gemeinwohls, die aus Innovationen herrühren, nicht präzise wider.

In einer einfacheren Welt, in der Innovation schlicht bedeutete, die Fertigungskosten etwa eines Autos zu senken, war es einfach, den Wert einer Innovation einzuschätzen. Doch wenn die Innovation die Qualität des Autos beeinflusst, wird die Sache deutlich unübersichtlicher. In anderen Bereichen zeigt sich dies sogar noch klarer: Wie lässt sich die Tatsache korrekt bewerten, dass aufgrund des medizinischen Fortschrittes eine Herzoperation heute mit viel größerer Wahrscheinlichkeit erfolgreich verläuft als früher – was zu einer deutlichen Steigerung der Lebenserwartung und der Lebensqualität führt?

Trotzdem kommt man um das unbehagliche Gefühl nicht herum, dass der Beitrag der jüngsten technologischen Innovationen zur langfristigen Steigerung des Lebensstandards deutlich geringer sein könnte, als die Enthusiasten behaupten. Eine Menge geistiger Anstrengung ist in die effektivere Nutzung unserer Werbe- und Marketingbudgets geflossen, um (insbesondere wohlhabende) Kunden anzusprechen, die die Produkte möglicherweise tatsächlich kaufen. Doch hätte sich der Lebensstandard nicht vielleicht viel stärker steigern lassen, indem all diese innovativen Talente sich der Grundlagenforschung widmeten – oder selbst der angewandten Forschung, was zu neuen Produkten hätte führen können?

Es stimmt schon: Dank Facebook oder Twitter besser miteinander in Kontakt zu stehen ist wertvoll. Aber wie können wir diese Innovationen mit solchen wie dem Laser, dem Transistor, der Turingmaschine und der Kartierung des menschlichen Genoms vergleichen, die jeweils zu einer Flut weltverändernder Produkte geführt haben?

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Natürlich gibt es Anlass zu einem Seufzer der Erleichterung. Auch wenn vielleicht unklar ist, wie viel die aktuellen technologischen Innovationen zu unserem Wohlbefinden beitragen, wissen wir zumindest, dass – anders als bei der Welle der Finanzinnovationen, die die Weltwirtschaft im Vorfeld der Krise kennzeichneten – hier die Wirkung positiv ist.

Aus dem Englischen von Jan Doolan