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Reformen in Frankreich

PARIS – Noch vor Jahresende wird das französische Parlament eine umfassende Neugestaltung des Rentensystems beschließen, die nicht nur von entscheidender Bedeutung ist, um die französischen Staatsfinanzen auf eine gesunde und nachhaltige Basis zu stellen, sondern auch um das Vertrauen in der Eurozone für 2014 und darüber hinaus zu stärken. Überdies ist die Art und Weise, wie diese Reform durchgeführt wurde von ebensolcher Bedeutung, wie die Maßnahme selbst.

Die demographische Situation ist in Frankreich günstiger als in den meisten anderen europäischen Staaten. Dennoch bedurfte es weiterer Anstrengungen, um das umlagefinanzierte System im Ausmaß von einem Prozentpunkt des BIPs zu stärken. Die Beitragszeit wird daher stufenweise angehoben und soll im Jahr 2035 43 Jahre erreichen.

Aufgrund ihrer Ausgewogenheit finden diese Bemühungen auch breite öffentliche Akzeptanz: Rentner und erwerbstätige Personen werden ebenso ihren Beitrag leisten wie Firmen und Haushalte. Finanzierungsbedarf und soziale Erfordernisse finden gleichermaßen Berücksichtigung, während die Beseitigung der Missstände im gegenwärtigen System in Angriff genommen wird. Davon werden Frauen profitieren sowie Menschen mit diskontinuierlichen Berufslaufbahnen, Arbeitnehmer mit besonders anstrengenden Berufen und Rentner mit niedrigen Einkommen.

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Rentenreform in Frankreich erstmals in ständiger Absprache mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften umgesetzt wird. Viele rechneten mit einer Kraftprobe. Doch es setzte sich eine Atmosphäre konstruktiver Gespräche durch.