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Japans politisches schwarzes Loch

Wochenlang hat Japans Premier Junichiro Koizumi wiederholt, er würde einen ,,engagierten Inflationsbekämpfer" zum Leiter der Bank von Japan machen. Stattdessen hat er einen Mann gewählt, der tief in den Konservatismus der Bank verstrickt ist. Diese Zurückhaltung von Koizumi ist nicht persönlich zu verstehen, aber, so Deepak Lal, sie spiegelt die erdrückende Unverantwortlichkeit der politischen Strukturen Japans.

Vom rein ökonomischen Standpunkt aus wäre es einfach, Japan aus seiner langen Flaute zu holen. Man müsste die Investitionen mit den niedrigen Renditen abschaffen - ein Vermächtnis der Vermögenswertblase aus den späten 80ern - und dann den übrigbleibenden Schutt aus dem Finanzsystem herausräumen. Wie die Beispiele der jüngsten Finanzkrisen in Korea und Thailand zeigen, ist jedoch politischer Wille notwendig, um die Aufgabe zu lösen.

Aber die Abschreibungen in Korea and Thailand waren zwar umfangreich, aber nicht annähernd so massiv wie die, die in Japan nötig wären. 1999 schätzte Paul Volcker, der frühere Vorsitzende der US-Notenbank, bei einem Abendessen den Umfang dieses Reinemachens im Finanzhaushalt auf über 100% des jährlichen japanischen BIP. Es gehört schon Mut dazu, als Politiker vorzuschlagen, den Ertrag eines ganzen Jahres aufzugeben! Es überrascht also nicht, dass die japanischen Politiker das Problem umgehen, als sei es ein Schlammloch.

Diese Ausweichstrategie wird zudem vom Wesen des politischen Systems unterstützt, das nach der Meiji-Restauration im 19. Jahrhundert geschaffen wurde, und das ungeachtet einer Nachkriegsverfassung bis in unsere Tage überlebt hat. Im Gegensatz zu China, wo jahrhundertelang ein vereinter, bürokratisch-autoritärer Kaiserstaat herrschte, entwickelte Japan eine einzigartige Form der doppelten und manchmal sogar dreifachen Regierung. Die Taika-Reformen von 604 v.Chr. schufen dem Wesen nach eine konstitutionelle Monarchie, auch wenn dieser Name nicht verwendet wurde, in der die politische Macht von den Shogunen, den Premierministern oder Chefberatern ausgeübt wurde, die die Unterstützung des Militärs besaßen. Dies führte zu einer langen, ununterbrochenen Linie von heiligen und unantastbaren - aber politische entmachteten - Kaisern, die noch heute den Brennpunkt des japanischen Nationalismus darstellen.