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Japans Optionen

TOKIO – Die aktuellen Spannungen zwischen China und Japan haben die Diskussionen darüber, wie tief Japan seit seinen glorreichen Jahren in den 1980ern gefallen ist, wiederaufleben lassen. Insofern dieses Gefühl des Abstiegs in der Realität begründet ist – kann Japan sich erholen?

Aufgrund der schwachen politischen Entscheidungen nach dem Zusammenbruch der massiven japanischen Spekulationsblase in den frühen 1990er Jahren hat Japans Wirtschaft zwei Jahrzehnte langsames Wachstum hinter sich. 2010 hat Chinas Wirtschaft die japanische in ihrer Gesamtgröße übertroffen, obwohl sie pro Kopf gerechnet nur ein Sechstel so groß ist. An ihrem Börsenwert gemessen, kamen 1988 acht der zehn führenden Unternehmen der Welt aus Japan; heute kein einziges.

Doch trotz seiner schwachen Leistung in jüngerer Zeit verfügt Japan immer noch über beeindruckende Machtressourcen. Es besitzt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, hochentwickelte Industrien und die am besten ausgestatteten konventionellen Militärstreitkräfte unter den asiatischen Ländern.

Erst vor zwei Jahrzehnten befürchteten viele Amerikaner, von den Japanern überholt zu werden, nachdem das japanische Pro-Kopf-Einkommen an dem der Vereinigten Staaten vorbeigezogen war. In Büchern wurde ein Pazifikblock unter japanischer Führung prophezeit, der die USA ausschließen würde, ja sogar ein späterer Krieg zwischen den beiden Ländern. Der Futurologe Herman Kahn prognostizierte, dass Japan zu einer atomaren Supermacht werde und dass der Wechsel der Rolle Japans so wäre wie „der Wandel, der in den 1870er Jahren durch den Aufstieg Preußens in Europa und der Welt herbeigeführt wurde.“