13

Töten und sterben lassen

NEW YORK – Es war ein merkwürdiger, aber passender Zufall: US-Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney hielten ihre letzte Fernsehdebatte – zur Außenpolitik – zeitgleich mit der Londoner Premiere des neuen James-Bond-Films Skyfall ab. Obwohl es sich bei “007”, der dieses Jahr fünfzig wurde, um eine globale Marke britischen Ursprungs handelt, ist sein Einfluss auf die amerikanische politische Psyche unverkennbar – ebenso wie der Einfluss dieser Psyche auf Bond.

In der Tat ist die neueste Produktion eine britisch-amerikanische Kooperation, und der gewalttätige Actionheld, zu dem Bond wurde, spiegelt die rechtliche und außenpolitische Einstellung der USA wider. Die reale Handlung in Echtzeit wurde durch die Präsidentschaftsdebatte lediglich noch betont: Attentate auf Menschen (einschließlich US-Bürger) auf Befehl des Präsidenten waren früher einmal Kriegsverbrechen. Heute dagegen ist ihnen allgemeiner Beifall sicher.

Dies trifft auf Romney ebenso zu wie in der Vergangenheit auf Obama. Romney bezeichnete seine Außenpolitik als “ziemlich eindeutig”. Sie besteht darin, “die Schurken zu verfolgen und unser Bestes zu tun, sie an ihren Taten zu hindern, sie zu töten und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen.” Anders ausgedrückt, würde er “sie töten”, wo er sie findet – ohne Anklage oder Verhandlung, und nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in anderen, souveränen Staaten wie Pakistan.

Obama seinerseits punktete dadurch, dass er Romney vorwarf, sich gegen den illegalen Angriff ausgesprochen zu haben, bei dem Osama Bin Laden getötet wurde. Später verteidigte er seine Drohnenangriffsstrategie, mit der er “Schurken” ohne Anklage oder Verhandlung getötet hatte. Romney spendete Beifall. Keiner der Kandidaten fand es nötig zu erwähnen, dass bei den Drohnenangriffen viel mehr Zivilisten als “mutmaßliche Terroristen” getötet wurden. Die zuverlässigste Studie bezifferte die Anzahl ziviler Opfer der Drohnenangriffe zwischen Juni 2004 und Mitte September 2012 auf 474 bis 881, darunter 176 Kinder.