Leader of the Italian right-wing party Forza Italia Silvio Berlusconi PIERO CRUCIATTI/AFP/Getty Images

Wird Italien den illiberalen Rubikon überschreiten?

PARIS – Im Jahr 1841 vollendete der italienische Komponist Giuseppe Verdi seine gefeierte Oper Nabucco. „Va, pensiero,” die berühmte Arie, die das Schicksal der Hebräer in der Wüste schildert, wurde später zum Schlachtruf italienischer Patrioten in ihrem Kampf um die Befreiung aus dem Kaisertum Österreich.  

Anlässlich einer Vorstellung zum 150. Jahrestag der Uraufführung im Jahr 2011 am Teatro dell’Opera in Rom unter Dirigent Riccardo Muti wurde Nabucco in den Dienst der Demokratie gestellt. Der damalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi war im Publikum anwesend und sah sich am nächsten Tag in der italienischen Presse mit Schlagzeilen konfrontiert wie: „Berlusconi von Verdi gestürzt.“ Genauer hätte es freilich geheißen, dass sich Berlusconi, der in diesem Jahr zum Rücktritt gezwungen wurde, aufgrund persönlicher Exzesse und finanzieller Korruption selbst stürzte.

Nun, da Italien auf eine entscheidende Parlamentswahl am 4. März zusteuert, sind derartige Verweise auf die Vergangenheit wieder sinnvoll. Doch während die Italiener im Jahr 1841 gegen Österreich mobilmachten, bewegen sie sich heute möglicherweise in Richtung eines „österreichischen Regierungsmodells“ bestehend aus einer Koalition der Rechten mit der extremen Rechten. Und obwohl Berlusconi im Jahr 2011 in Ungnade fiel, spielt er mittlerweile die Rolle eines potentiellen Königsmachers. Mit 81 Jahren verkörpert er ein alterndes und zunehmend zynisches Italien. Manche Wähler kehren aus Überzeugung zu ihm zurück; andere, weil sie befürchten, die Alternativen seien noch schlimmer.

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