0

Israel wählt die Gewalt

Krieg und Gewalt haben immer direkte Auswirkungen auf Wahlen. Kriege bedingen drastische Verschiebungen in den Präferenzen der Wähler, und radikale Führer und Parteien erhalten nach gewalttätigen Auseinandersetzungen oft deutlich mehr Stimmen als normalerweise. Ethnische Minderheiten können daher häufig die Machtbalance zwischen großen konkurrierenden Kräften verschieben.

Genau dies scheint bei den jüngsten Wahlen in Israel passiert zu sein. Der politisch rechts anzusiedelnde Likud-Block Benjamin Netanjahus und der sogar noch weiter rechts stehende Avigdor Lieberman mit seiner Partei Yisrael Beiteinu (Israel ist unsere Heimat) erzielten zusammen ein dominierendes Ergebnis, während die Arbeiterpartei – die im Verlauf der gesamten israelischen Geschichte vorherrschende Kraft – sich mit einem demütigen vierten Platz begnügen musste.

Während des gesamten Wahlkampfes wetteiferten die politischen Führer Israels darum, wer von ihnen härter (sprich: gewalttätiger) mit den Palästinensern umgehen würde. Nach dem israelischen Angriff auf Gaza hatten viele Palästinenser gehofft, dass Israel einen Führer wählen würde, der sich darauf konzentrieren würde, das Leid zu beenden, den Belagerungszustand aufzuheben und mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Genau das Gegenteil scheint passiert zu sein.

Das letzte Mal, dass israelische Wahlen so offensichtlich von der Gewalt beeinflusst wurden, war 1996, als die Umfragen im Vorfeld der Entscheidung wie wild schwankten und schließlich Netanjahu hauchdünn über den amtierenden Ministerpräsidenten Shimon Peres triumphierte. Netanjahu, der, um im Wettstreit mit dem älteren Peres (der das Amt nach der Ermordung Yitzhak Rabins übernommen hatte) reifer zu erscheinen, sein Haar weiß gefärbt hatte, profitierte von einem schlecht geführten Minikrieg und dem Ärger der arabischen Wähler des Landes.