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Israels Alpträume

PARIS – „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“, sagte einst David Ben-Gurion, der erste Ministerpräsident Israels. Die heutigen Israelis scheinen nicht an Wunder zu glauben. Stattdessen werden sie stärker denn je von Alpträumen beherrscht, vor allem von der Aussicht auf einen nuklearen Iran.

Zu verhindern, dass ein von einer absoluten Ideologie durchdrungenes Regime in den Besitz der „absoluten Waffe“ gelangt, hat für Israel oberste Priorität. Alles muss getan werden, sogar ein einseitiger Militärschlag, um zu verhindern oder zumindest zu verzögern, dass der Iran an eine solche Waffe gelangt. Diese Frage wird von den Israelis als existenziell wahrgenommen und ihre Überzeugung steht in krassem Gegensatz zum Fatalismus, der ansonsten das Denken der Israelis über sich und ihre Beziehungen zu den Palästinensern bestimmt.

Wie äußert sich dieser Fatalismus, woher kommt er, und was kann getan werden, um ihn zu überwinden?

Diese Fragen sind wichtig, weil der „Fatalismus“ zu einem großen Hindernis geworden ist, das von jedem überwunden werden muss, der sich ernsthaft für die Befriedung der Region interessiert. Denn dieser Fatalismus ist ein Trumpf in den Händen von Leuten wie dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der darauf erpicht ist, den Status quo aufrechtzuerhalten. Die Mehrheit der Israelis würde wahrscheinlich einem Präventivangriff auf den Iran zustimmen und sich mit einer Wahrung des Status quo in den Beziehungen zu den Palästinensern zufriedengeben.