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Israelis und Palästinenser im neuen Nahen Osten

BERLIN – Als in Gaza erneut die Waffen sprachen, da schien alles wie immer zu sein. Die Welt wurde ein weiteres Mal Zeuge eines gleichermaßen blutigen wie sinnlosen Krieges zwischen Israel und der Hamas, in dem – auch dies wie gehabt – auf beiden Seiten vor allem unschuldige Zivilisten getötet und verwundet wurden.

Allerdings trog diesmal der Schein, denn der Nahe Osten hatte sich in den vergangenen zwei Jahren nachdrücklich verändert, und das politische Epizentrum dieser Krisenregion findet sich seitdem nicht mehr im israelisch-palästinensischen Konflikt, sondern hat sich in Richtung dem Persischen Golf und der Auseinandersetzung um die regionale Vorherrschaft zwischen Iran und Saudi-Arabien/Türkei und neuerdings wieder Ägypten, zwischen Schiiten und Sunniten verschoben. Der alte Nahostkonflikt ist zu einem Nebenschauplatz geworden.

Die wichtigste Auseinandersetzung um diese Vorherrschaft ist gegenwärtig der syrische Bürgerkrieg, in dem alle wichtigen Akteure aus der Region direkt oder indirekt präsent sind, denn in Syrien wird eine Vorentscheidung um die regionale Hegemonie fallen. Assad und seine alawitisch-schiitische Machtbasis werden Syrien gegenüber der sunnitischen Mehrheit im Land und in der gesamten Region nicht halten können, das ist bereits heute gewiss. Die nach wie vor offene Frage allein bleibt, wann dies geschehen wird.

Der Verlust Syriens wird eine schwere Niederlage für Teheran sein, denn damit verliert es nicht nur seinen wichtigsten arabischen Bündnispartner sondern auch eine Schlüsselstellung für die Hisbollah im Libanon. Zugleich wird auch in Syrien eine Form der Moslembruderschaft die Macht übernehmen, so wie es als das zentrale machtpolitische Ergebnis der „Arabellion“ fast überall im Nahen Osten geschah und geschehen wird. Und genau darin besteht die zentrale Veränderung der letzten zwei Jahre im Nahen Osten, nämlich in diesem Aufstieg des politischen Sunni-Islam zum entscheidenden regionalen Machtfaktor.