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Beginnt die Weltbank die Gründe des Wachstums zu verstehen?

Auf den ersten Blick enthält der jüngste Weltbankbericht zur Globalisierung wenig Überraschendes. Wieder einmal wird die alte Weisheit verbreitet, wonach Länder, die im Globalisierungsprozess am weitesten fortgeschritten sind, auch den größten Erfolg im Bereich Wirtschaftswachstum und Armutsbekämpfung aufweisen. Erst bei genauerer Betrachtung findet sich im Bericht verborgen ein bemerkenswertes Eingeständnis: Bei den Ländern, die sich am raschesten in die Weltwirtschaft integrierten, handelt es sich nicht unbedingt um jene mit den meisten Handelsliberalisierungen.

Man überlege, was das bedeutet. Zum ersten Mal räumt die Weltbank ein, dass die Liberalisierung des Handels möglicherweise nicht nur kein effektives Instrument zur Wachstumsförderung, sondern nicht einmal eines für die Integration in die Weltmärkte sein könnte. Klammheimlich gibt man zu, dass die wiederholt geäußerten Behauptungen über die Vorteile der Globalisierung keine direkten Auswirkungen auf die Gestaltung der Handelspolitik in den Entwicklungsländern hat.

Anders ausgedrückt könnte man sagen, dass die Weltbank eine Realität erkennt, die für jeden offensichtlich ist, der unvoreingenommen einen Blick auf die empirischen Daten wirft. Eine rasche Integration in die Weltmärkte ist nicht die Folge von Handelsliberalisierungen oder der Einhaltung von Vorgaben der Welthandelsorganisation (WTO), sondern resultiert vielmehr aus erfolgreichen, vielfach höchst länderspezifischen Wachstumsstrategien.

Man denke an die beiden Wachstumswunder der letzten zwanzig Jahre China und Indien, die auch die Rangliste der von der Weltbank als "Globalizer" bezeichneten Länder anführen. In beiden Ländern wurden Handelsreformen erst ungefähr ein Jahrzehnt nach dem Einsetzen des Wirtschaftswachstums durchgeführt. Außerdem haben Indien und China nach wie vor die weltweit größte Anzahl von Handelsbeschränkungen.