0

Ist die Bankenkrise vorbei?

MÜNCHEN – Während die diversen amerikanischen Rettungspläne greifen, erholen sich die Börsen etwas. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der S&P 500 klettert allmählich zurück auf seinen Langzeitdurchschnitt von 16. Insbesondere die Bankaktien legen wieder zu, und einigen amerikanischen Banken ist es sogar gelungen, zumindest einen Teil des Kapitals zurückzuzahlen, das ihnen der Staat zur Verfügung gestellt hat.

Doch wie ich in meinem Buch Kasino-Kapitalismus aufzeige, könnte es sich dabei lediglich um eine vorübergehende Verbesserung der Erwartungen handeln statt um das Zeichen einer ständigen Erholung, denn die in den Bilanzen der Banken schlummern noch stille Lasten riesigen Ausmaßes. Nach der jüngsten Schätzung des Internationalen Währungsfonds werden die Gesamtabschreibungen für finanzielle Ansprüche in dieser Krise für die Vereinigten Staaten, Japan, den Euroraum und Großbritannien 4,05 Billionen Dollar betragen, von denen die USA allein 2,7 Billionen Dollar auffangen müssen.

Das ist viel mehr, als bislang abgeschrieben wurde. Nach meiner Zählung der Bloomberg-Daten wurden bis Februar 2009 weltweit lediglich Abschreibungen in Höhe von  1,12 Billionen Dollar realisiert. Bislang ist demnach kaum mehr als ein Viertel der notwendigen Wegstrecke bis zur Aufdeckung der Verluste des Bankensystems zurückgelegt. Drei Viertel liegen noch vor uns.

Für die USA und die Schweiz sind das besonders schlechte Nachrichten, da sich die realisierten Abschreibungen in beiden Ländern bereits auf 53 % und 54 % der aggregierten Bilanzsumme ihrer nationalen Bankensysteme belaufen, was jeweils 4,4 % bzw. 15,0 % des BIP entspricht. Auch die Niederlande, Großbritannien und Deutschland sollten sich Sorgen machen, da sie in der Rangfolge der Länder, deren Bankensysteme von der Krise am härtesten getroffen wurden, an nächster Stelle stehen. Ihre Abschreibungen beliefen sich auf 2,0 %, 4,2 % bzw. 2,8 % des BIP, was jeweils 11 %, 16 % und 22 % des gesamten Eigenkapitals ihrer Bankensysteme entspricht.