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Ist Syrien der nächste Dominostein?

LONDON – Nach dem Abtritt der tunesischen und ägyptischen Regierung und angesichts der Proteste auf den Straßen von Algier bis Teheran fragen sich viele Menschen, welcher Dominostein als Nächstes fallen könnte. Syrien, dessen säkulare, militarisierte Diktatur den gestürzten Regimes von Tunesien und Ägypten am meisten ähnelt, folgt vielleicht nicht sofort, aber scheint trotzdem an einem Wendepunkt zu stehen.

Für die Tatsache, dass verschiedene Teile einer Region in Verbindung miteinander stehen, war die alte “Domino-Theorie” in den Internationalen Beziehungen natürlich nur eine grobe Beschreibung. Eine bessere Metapher für die heutige arabische Welt wäre vielleicht ein Schachbrett, auf dem sich durch die Entfernung einer noch so unbedeutenden Figur das Verhältnis zwischen allen anderen Figuren ändert.

Trotz wachsender Proteste glauben die Regierungen der arabischen Länder in Nahost und Nordafrika wahrscheinlich immer noch, dass sie interne Meinungsverschiedenheiten in Eigenregie eindämmen können.

In Syrien scheint es unvermeidlich, dass die Proteste bald die brüchige politische Unbeweglichkeit des Regimes aufbrechen. Die meisten einfachen Syrier leiden unter extrem schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, z.B. hoher Arbeitslosigkeit, steigenden Lebensmittelpreisen, Einschränkungen der persönlichen Freiheit und ausufernder Korruption. Genau diese Gründe haben auch die Menschen in Nordafrika und Nahost auf die Straße getrieben. Was als Proteste gegen schwere Lebensbedingungen begann, entwickelte sich zu umfassenden Forderungen nach Freiheit und Demokratie.