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Ist Russland schwach?

MOSKAU Wie ein Mantra beten westliche Spitzenpolitiker und Beobachter herunter, dass Russland „schwach“ sei. Dieses Urteil beruht auf dem unzutreffenden Vergleich zwischen Russland und der Sowjetunion – der aber auch in Russland selbst sehr beliebt ist.

Gemessen an sowjetischen Standards ist Russland schwächer geworden. Aber wie der ehemalige nationale US-Sicherheitsberater Brent Scowcroft anmerkte, verfügt Russland immer noch über „enorme Kapazitäten, um die US-Sicherheitsstrategie in jedem beliebigen Land zu beeinflussen.“

Ein Land mit derartigem Einfluss auf eine militärische Supermacht kann nicht als schwach betrachtet werden. Tatsächlich stellt sich nicht die Frage nach Russlands Stärke per se, sondern ob es diese in intelligenter Weise konzentriert und einsetzt.

Das neue Russland hat seine sowjetische Identität überwunden und es ist ihm gelungen, Aufstände im postsowjetischen Raum bis Tadschikistan niederzuschlagen. Russland hat eine neue Generation von Sicherheitsbedrohungen auf seinem Territorium bewältigt – allen voran den tschetschenischen Warlord Schamil Bassajew – und verhindert, dass sich daraus eine neue globale Kraft im Stile der Al-Kaida entwickelt. Außerdem half Russland anderen neuen Staaten in Osteuropa, eigene Identitäten zu schaffen.