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Ist Russlands Wirtschaftskrise vorbei?

MOSKAU – Ist Russlands Wirtschaftskrise beendet? Das kommt darauf an, wen man fragt. Fragt man Ministerpräsident Wladimir Putin oder irgendeinen Funktionär seiner Partei ‚Einiges Russland’, so lautet die Antwort: „Selbstverständlich ist sie vorbei.“ Sie werden sogar Beweise vorlegen, in Form einer Arbeitslosenquote, die nicht steigt, beispielloser Rentenerhöhungen und eines starken Wachstums im Bau- und Metallgewerbe.

Natürlich werden all diese Vergleiche gegenüber dem Stand des letzten Monats angestellt, anstatt gegenüber der Wirtschaftsleistung des Landes vor der Krise. Außerdem gibt es ein weiteres „Wunder“, das die Regierung beginnt auszuposaunen, und zwar wurde es im August 2009 entdeckt: eine Zunahme der russischen Bevölkerung. Leider haben die Geburten in keinem Monat davor oder danach die Todesfälle zahlenmäßig übertroffen.

Fragt man ein Mitglied der Opposition, ob die Krise zu Ende ist, so erfährt man, dass sie gerade erst anfängt. Die Produktion von Gasprom fällt in schwindelerregendem Tempo; die „Mono-Städte“ des Landes, die auf einzelnen Industrien basieren, sterben aus.

An beiden Betrachtungsweisen des Zustands der russischen Wirtschaft ist etwas Wahres dran, doch da die Regierung alle großen Fernsehsender kontrolliert, setzt sie ihre Sicht der Dinge erfolgreich durch. Die Opposition hat in der Tat lediglich Zugang zu einigen wenigen Zeitungen und Radiosendern, sodass das Internet als einziger Freiraum in Russland bleibt. Doch kann man dort äußerst pessimistische Einschätzungen hinsichtlich der ökonomischen Zukunft des Landes lesen. Der Kreml blendet seine Bürger also mit rosigen Szenarien, während das Internet die Wirklichkeit übertrieben dramatisiert.