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Mexiko vor dem Zusammenbruch?

MEXIKO-STADT – Kurz vor den amerikanischen Wahlen im letzten November, wurde der damalige Vizepräsidentschaftskandidat Joseph Biden häufig für seine Prognose kritisiert, dass eine Regierung Obama wahrscheinlich durch eine, wie er es nannte, „künstlich erzeugte“ internationale Krise auf die Probe gestellt würde, ganz ähnlich wie die Sowjetunion John�F.�Kennedy kurz nach seinem Amtsantritt auf die Probe gestellt hat. Biden verwies auf keine genaue Region in der Welt, nannte jedoch den Nahen Osten, den indischen Subkontinent und Russland als wahrscheinlichste Ursprungsorte für die Schwierigkeiten des neuen Präsidenten.

Undiplomatisch oder nicht, scheinen Bidens Ängste einige der ersten außenpolitischen Entscheidungen der Regierung geprägt zu haben. Dazu zählen Bidens eigene Bekundung seines Friedenswillens gegenüber Russland bei der jüngsten Münchner Sicherheitskonferenz und Barack Obamas Ernennung von Richard Holbrooke zum Sonderbotschafter für Pakistan und Afghanistan sowie die Berufung von George Mitchell in eine ähnliche Position für Israel-Palästina.

Doch so dringlich die Lage im Nahen Osten, in Südasien und Russland (sowie im Iran und in Nordkorea) auch ist, könnte eine andere Krise, die der Heimat wesentlich näher ist, eine ebenso große Gefahr darstellen wie ein mit Atomwaffen ausgerüsteter Iran, ein aggressiv wieder auflebendes Russland oder sogar ein islamistisch dominiertes Pakistan.

Diese Krise spielt sich in Mexiko ab, das sich im freien Fall befindet: Seine staatlichen Institutionen sind so stark bedroht, wie sie es seit dem Cristero-Aufstand in den späten 1920er Jahren und möglicherweise seit der Mexikanischen Revolution von 1910 nicht mehr waren. Obwohl der Regierung Obama offensichtlich bewusst ist, was südlich des Rio Grande geschieht, erhält die Bedrohung einfach nicht die Aufmerksamkeit, die ihre Schwere erfordert.