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Ist die Globalisierung der einzige Weg zur Entwicklung?

Ein Beamter des US-Finanzministeriums hat vor kurzem die Regierung Mexikos eindringlich darum gebeten, „härter daran zu arbeiten, die Gewaltverbrechen einzuschränken,“ und hat zu bedenken gegeben, „dass die hohe Kriminalitätsrate des Landes ausländische Investoren abschrecken könnte.“ Eine Bemerkung, die vielleicht aus dem Stegreif heraus gefallen ist, aber sie zeigt nur zu gut, wie ausländischer Handel sowie ausländische Investitionen als Maßstab bei der Bewertung von Entwicklungsländern herangezogen werden. Die Entwicklungsstrategie wird in der Tat zu einer Geisel des Gedankens der Integration in die Weltwirtschaft.

Doch diese Gleichung ist zu oberflächlich. Die Öffnung dem Handel gegenüber wird als stärkste Kraft zugunsten des Wirtschaftswachstums betrachtet, doch die Integration in die Weltwirtschaft setzt anspruchsvolle institutionelle Vorbedingungen voraus, die nicht so billig zu haben sind. Ein typisches Entwicklungsland müsste mit Kosten in Höhe von 150 Millionen US-Dollar rechnen – eine Summe, die dem gesamten Jahreshaushalt für die Entwicklung in vielen armen Ländern entspricht –, um die Reformen einzuleiten, die entsprechend den WTO-Übereinkommen erforderlich sind.

Obwohl Länder davon profitieren, dass ihre Institutionen in wichtigen Bereichen gestärkt werden, ist es nach Ansicht Michael Fingers, der diese Zahlen berechnet hat, in Wirklichkeit eher so, dass die „Auflagen der WTO nur eine geringe Beachtung der Entwicklungsprobleme widerspiegeln.“ Integration setzt zudem weitere, wesentlich subtilere institutionelle Anforderungen voraus. Eine Öffnung impliziert eine umfassendere Aussetzung den externen Risiken gegenüber, und damit auch einen größeren Anspruch an eine soziale Absicherung. Die Öffnung in der wirklichen Welt ist also nicht nur einfach eine Frage des Fallens von Grenzen. Man muss vielmehr sicherstellen, dass die internationalen Regeln des Anstands eingehalten werden, dass die neuerdings bloß liegenden einheimischen Quellen der Schwäche gedeckt werden und dass man sich selbst vor den Elementen schützt.

Keine der institutionellen Reformen zur Eingliederung in die Weltwirtschaft sind wirklich schlecht; tatsächlich sind viele von ihnen unabhängig voneinander wünschenswert. Doch wir müssen das Argument, das die Öffnung favorisiert, als das nehmen, was es ist: als ein Heruntertröpfeln institutioneller Reformen. Reformen mögen heruntertröpfeln oder auch nicht; selbst wenn sie es tun, stellen sie nur selten den wirksamsten Weg zum Erreichen der angestrebten Ziele dar (ob es sich bei diesen Zielen nun um eine Justizreform, eine Überwachung der Einhaltung der Menschenrechte oder um eine Einschränkung der Korruption handelt).