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Ist der Freihandel mit den USA das Richtige für Zentralamerika?

Der Tod Ronald Reagans hat viele Menschen gezwungen, sich noch einmal mit dem Erbe der brutalen Kriege in den zentralamerikanischen Staaten Guatemala, El Salvador und Nicaragua vor zwei Jahrzehnten auseinander zu setzen. Die kürzlich erfolgte Unterzeichnung des zentralamerikanischen Freihandelsabkommens (CAFTA) mit den USA scheint dabei zu bestätigen, dass die Region ihre blutige Geschichte tatsächlich hinter sich gelassen hat.

Der Symbolwert dieses Abkommens ist hoch; es verspricht nicht zuletzt, dass Bürgerkriege und Interventionen durch die USA der Vergangenheit angehören. Für eine Region allerdings, die noch immer dabei ist, sich von den wirtschaftlichen Verheerungen infolge dieser Kriege zu erholen, bieten die Einzelheiten des Abkommens wenig Anlass zur Freude.

Besondere Aufmerksamkeit genießt im Zusammenhang von CAFTA die Frage, in welchem Umfang die zentralamerikanischen Länder ihre Volkswirtschaften liberalisieren werden. Wichtiger allerdings ist, ob das Abkommen zu einer Gesundung dieser Volkswirtschaften führen wird. Während CAFTA eine wichtige Gelegenheit für die Region darstellt, ihren Zugang zum US-Markt auszuweiten, bleibt unklar, ob die neuen Regeln die zentralamerikanischen Produzenten stärken oder schwächen werden.

CAFTA sieht vor, dass 80 % aller US-Exporte vom Zeitpunkt der Ratifizierung an zollfrei gestellt werden und dass innerhalb der kommenden 15 Jahre sämtliche Zölle fallen. Bis vor kurzem erwirtschaftete die Region einen Handelsüberschuss gegenüber den USA; aufgrund der Liberalisierung jedoch wird die Einfuhr von Billigimporten in die Region zunehmen und diesen Überschuss in ein Defizit verwandeln. Betrachtet man zum Vergleich die Handelsbilanz Mexikos gegenüber den USA seit In-Kraft-Treten des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA), so zeigt sich, dass sich Mexikos jährliches Handelsdefizit gegenüber den USA zwischen 1995 und 2002 auf eine Milliarde Dollar erhöht hat.