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von Melvyn Krauss

Ist das ein Anzeichen für einen Sinneswandel in Europa zu Gunsten eines stärkeren Euro oder nur ein Ausdruck dafür, dass die EZB nun beabsichtigt, zu ihrer alten Strategie zurückzukehren, Wechselkurse unter keinen Umständen zu kommentieren?

Eine genauere Antwort darauf könnten wir bei dem nächsten Donnerstag stattfindenden Juni-Treffen des EZB-Rates bekommen, denn auf der Pressekonferenz wird der starke Euro zweifellos wieder zur Sprache kommen.

Zwei Faktoren deuten auf einen möglichen Sinneswandel hin. Erstens die Tatsache, dass sich der Preis für ein Barrel Rohöl auf 75 US-Dollar oder noch mehr zubewegt und zweitens der Umstand, dass die wirtschaftliche Erholung in Europa an einem Punkt angelangt ist, an dem Exporte nicht mehr der einzige Wachstumsfaktor sind.

Aufgrund der Schwindel erregenden Preise für Rohöl und unedle Metalle wie Kupfer, Aluminium und Zink ist der steigende Euro tatsächlich zu einem Schutzschild für die beginnende wirtschaftliche Erholung in Europa geworden. Die erwähnten Güter werden nämlich in US-Dollar gehandelt. Da der Euro gegenüber dem Dollar an Wert zugelegt hat, sind die Europreise für Rohöl und unedle Metalle nicht so schnell angestiegen wie die entsprechenden Dollarpreise. Mit dem anhaltenden Preisanstieg für Güter, die in Dollar gehandelt werden, wächst auch die europäische Zustimmung zu einer stärkeren Währung.