Verschließt sich China oder öffnet es sich?


Obwohl die Geschehnisse im Irak das beherrschende Thema sind, ist China zurück in den Schlagzeilen. China wird für seine ausweichende Haltung gegenüber der SARS-Epidemie attackiert und für seine plötzlich konstruktive, vermittelnde Rolle bei der Zusammenberufung von Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea über Nordkoreas nukleare Aufsässigkeit gelobt. Was erfahren wir aus diesen beiden scheinbar grundverschiedenen Reaktionen über China und seine sich entwickelnde Position in der Welt?

Chinas Reaktion auf die SARS-Epidemie lässt auf eine fast schon automatische Abwehrhaltung schließen, wenn die Außenwelt sich in China einzumischen scheint oder es sich auf potenziell schädigende oder beschämende Art und Weise bedroht sieht. In dieser Hinsicht übt das Erbe der Erniedrigung Chinas in den Händen des Westens und Japans im 19. und frühen 20. Jahrhundert immer noch großen Einfluss aus; trotz der Entstehung des globalisierten neuen Chinas im Verlauf der letzten zwanzig Jahre. Diese Erfahrungen haben sich so tief in die chinesische Seele eingegraben, dass nicht einmal der aktuelle wirtschaftliche und politische Aufstieg Chinas ein unterschwelliges Gefühl der Schikanierung und Trauer überwinden konnte.

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass China durch seine historische Schikanierung eine umfassende Identität gebildet hat. Die maoistische ideologische Mentalität wuchs aus Lenins Imperialismustheorie, die, unterstützt durch die endlose Bombardierung mit Propaganda gegen Kapitalismus, Kolonialismus und ausländische Hegemonie, das Gefühl nationaler Erniedrigung eher noch verstärkt hat. Parteisprecher sagen auch heute noch oft, dass manche ausländische Intervention die "Gefühle des chinesischen Volkes verletzt hat", wenn sie finden, dass China ungerecht behandelt wurde.

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