Hulton Archive/Getty Images

Ist der Kapitalismus dem Untergang geweiht?

NEW YORK: Die massive Volatilität und steile Korrektur der Aktienkurse, die die globalen Finanzmärkte derzeit treffen, signalisieren, dass die meisten hochentwickelten Volkswirtschaften am Rande einer w-förmigen Rezession (Double Dip) stehen. Eine durch eine zu starke Verschuldung und Fremdkapitalisierung des privaten Sektors verursachte Finanz- und Wirtschaftskrise führte zu einer massiven neuerlichen Kapitalaufnahme im öffentlichen Sektor, um eine Große Depression 2.0 zu verhindern. Doch die hierauf folgende Konjunkturerholung verlief in den meisten hochentwickelten Volkswirtschaften angesichts schmerzhafter Entschuldungsmaßnahmen bisher unterdurchschnittlich und blutleer.

Eine Kombination aus hohen Öl- und Rohstoffpreisen, Turbulenzen im Nahen Osten, Erdbeben und Tsunami in Japan, Schuldenkrisen im Euroraum und Haushaltsproblemen (und jetzt der Herunterstufung des Ratings) in Amerika haben zu einer enormen Zunahme der Risikoaversion geführt. Wirtschaftlich gesehen befinden sich die USA, der Euroraum, Großbritannien und Japan noch immer im Leerlauf. Selbst schnell wachsende Schwellenmärkte (China, die asiatischen Schwellenländer und Lateinamerika) und exportorientierte Volkswirtschaften, die auf diese Märkte angewiesen sind (Deutschland und das ressourcenreiche Australien), erleben steile Konjunkturabschwünge.

Bis letztes Jahr konnte die Politik immer wieder ein neues Kaninchen aus dem Hut zaubern, um die Vermögenspreise anzukurbeln und eine wirtschaftliche Erholung auszulösen. Steuerliche Anreize, Zinsen in Nähe des Nullpunktes, zwei Runden „quantitativer Lockerung“, die Abschottung notleidender Kredite und Billionen an Dollars an Bailouts und Liquiditätsbereitstellungen für Banken und Finanzinstitute: Alles wurde probiert. Aber jetzt sind der Politik die Kaninchen ausgegangen.

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