Der stille Tod des Irak

Die Beweise, dass Amerikas Krieg im Irak Zehntausenden, vielleicht sogar mehr als Hunderttausenden Zivilisten das Leben kostete, häufen sich. Und doch wird dieses Gemetzel in den Vereinigten Staaten systematisch ignoriert, wo die Medien und die Regierung einen Krieg präsentieren, in dem es keine zivilen Todesopfer gibt, weil es laut ihrer Berichterstattung im Irak überhaupt keine Zivilisten gibt, sondern nur Aufständische.

Das Verhalten und die Selbstwahrnehmung der Amerikaner zeigen, mit welcher Leichtigkeit ein zivilisiertes Land ohne öffentliche Diskussion die großangelegte Tötung von Zivilisten betreiben kann. Ende Oktober veröffentlichte das britische Medizin-Journal Lancet eine Studie über Todesursachen von Zivilisten im Irak seit Beginn der von den USA angeführten Invasion. Die Stichprobenerhebung dokumentiert 100.000 zivile Tote mehr als im Jahr davor, als sich Saddam Hussein noch an der Macht befand – und diese Schätzung schloss Todesfälle in Falluja noch nicht einmal mit ein, weil man das als zu gefährlich erachtete.

Aus dieser Studie geht überdies hervor, dass die Mehrheit der Todesfälle auf Gewalt zurückzuführen war und dass für einen großen Teil dieser gewaltsamen Todesfälle Luftangriffe der USA verantwortlich waren. Epidemiologen bestätigten zwar die Unschärfen dieser Schätzungen, präsentierten jedoch genügend Daten, die eine sofortige Folgeuntersuchung sowie eine Nachprüfung der Bombardements irakischer Städte durch die Bush-Administration und das amerikanische Militär nahe legen.

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