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Irans Republik der Angst

WASHINGTON D.C. – Das klerikale Regime im Iran herrscht durch eine einfache Formel: Der, der am meisten Angst verbreitet, gewinnt. „Sieg durch Angst und Schrecken“ ist eine Phrase, die in vielen Reden des obersten Führers Ayatollah Ali Chamenei vorkommt. Sie dient als verlässlicher Wegweiser für seine politische Philosophie.

Diese Sichtweise wurde nicht von Chamenei erfunden, sondern wird vielmehr aus dem Koran und der schiitischen Tradition abgeleitet. Die Iranische Revolutionsgarde ist mit Uniformen ausgestattet, die mit einem Koranvers mit der folgenden Bedeutung versehen sind: „Rüstet euch mit so vielen Waffen und Pferden gegen sie aus, wie ihr könnt, um so den Feind Gottes und euren Feind und andere an ihrer Seite, die euch unbekannt sind, in Angst und Schrecken zu versetzen; Gott kennt sie.“ Zudem wird die Strategie des Mahdi, des schiitischen Messias, gemäß der schiitischen Tradition darin bestehen, alle seine Feinde bei seiner Rückkehr auf die Erde einzuschüchtern.

Fördert man die Angst der anderen, wird man auch selbst empfänglicher für Angst, und nichts jagt Chamenei und den Führern der Islamischen Republik mehr Angst ein, als die gesellschaftliche Dynamik, die durch die im Iran gärende demokratische Bewegung freigesetzt wurde.

Das Regime ist offenbar davon überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Militärschlages gegen sein Atomprogramm gering ist. Es glaubt nicht, dass Sanktionen seinen Zusammenbruch herbeiführen können. Äußere Kräfte scheinen somit keine große Bedrohung darzustellen.