Chaos und neue Ordnung- der Weg des Nahen Ostens

BERLIN – Der altgriechische Philosoph Heraklit hatte vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden den Krieg als „Vater aller Dinge“ bezeichnet. Verfolgt man die blutigen, ja barbarischen Ereignisse im Nahen Osten, vor allem im Irak und Syrien, so könnte man fast versucht sein, dem alten Griechen aus Ephesos recht zu geben, auch wenn eine solche Auffassung überhaupt nicht mehr in die postmoderne Weltsicht der europäischen Gegenwart zu passen scheint.

Der militärische Siegeszug der sunnitischen Terrorgruppe Islamischer Staat in Syrien und Irak führt nicht nur zu einer humanitären Großkatastrophe, sondern wirft auch die bekannten Machtformeln und Allianzen inklusive eines Teils der Grenzen in der Region über den Haufen. Ein neuen Naher Osten wird sichtbar, der schon heute zwei wesentliche Veränderung gegenüber der alten Ordnung sichtbar werden lässt: die Rolle der Kurden und die des Irans als schiitische Regionalmacht werden darin aufgewertet, die der sunnitischen Regionalmächte eher abgewertet werden.

Im Nahen Osten droht nicht nur der Siegeszug einer barbarischen Macht, die auch vor Massenmorden, Massenversklavungen jesidischer Frauen und Mädchen und deren Verkauf in die Sklaverei nicht zurückschreckt, sondern dort zeigt sich auch der Zusammenbruch der alten regionalen Ordnung, wie sie mehr oder weniger unverändert seit dem Ende des Ersten Weltkriegs Bestand hatte und die Schwäche der alten Ordnungsmächte in dieser Region.

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