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Investitionen für nachhaltiges Wachstum

NEW YORK – Was an der heutigen Weltwirtschaft am meisten enttäuscht, ist die geringe Investitionsrate. In den Jahren vor der Finanzkrise von 2008 wurde das Wachstum in den Ländern mit hohem Einkommen durch die Ausgaben für Wohnen und privaten Konsum angetrieben. In der Krise gingen diese beide Arten von Ausgaben in den Keller, und die Investitionen, die an ihre Stelle treten sollten, haben nie stattgefunden. Dies muss sich ändern.

Nach der Krise versuchten die großen Zentralbanken in aller Welt, durch Zinssenkungen die Ausgaben und die Beschäftigung wieder anzukurbeln. Teilweise hat diese Strategie auch funktioniert. Durch niedrige Zinsen und die Flutung der Kapitalmärkte mit Liquidität erhielten die Investoren durch die Politiker einen Anreiz, die Aktien- und Anleihekurse in die Höhe zu treiben. Durch diese Kapitalzuwächse wurden finanzieller Reichtum geschaffen, der Konsum angetrieben und – über Börsengänge – auch einige Investitionen ausgelöst.

Aber diese Politik stößt an ihre Grenzen – und hat erhebliche Kosten verursacht. Bei Zinssätzen um die Null oder sogar darunter leihen sich Investoren Geld für höchst spekulative Zwecke. Daher ist die allgemeine Qualität der Investitionen zurückgegangen und die Fremdkapitalisierung gestiegen. Verteuern die Zentralbanken dann schließlich wieder die Kredite, besteht eine reale Gefahr deutlicher Preisrückgänge auf den Geldanlagemärkten.

Während die Geldpolitik bis an ihre Grenzen ausgereizt wurde, fehlte eine Steigerung der langfristigen Investitionen in hochqualitative Schienen- und Straßensysteme, Häfen, kohlenstoffarme Energiegewinnung, saubere Wasserver- und -entsorgung sowie Gesundheit und Ausbildung. Aufgrund der Einschränkungen öffentlicher Investitionen durch Sparmaßnahmen und der Hemmung privater Investitionen durch große politische und steuerliche Unsicherheiten sind solche Ausgaben in den Industriestaaten allgemein zurückgegangen.