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Investieren in einer Welt geschlossener Grenzen

CAMBRIDGE – Wie Astronomen oder Anthropologen verlassen sich auch Investoren auf intellektuelle Modelle, um einem komplizierten Universum Sinn zu verleihen, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten für weitere Nachforschungen zu setzen. Aber immer wieder treten unvorhergesehene Ereignisse ein, die uns zwingen, das, was wir zu wissen glaubten, neu zu bewerten. Vielleicht ist es ein schwarzes Loch. Oder ein merkwürdiges Fossil. Oder politische Umbrüche wie das Brexit-Referendum in Großbritannien oder die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Am Ende eines turbulenten Jahres eilen die verrückten globalen Märkte von Rekord zu Rekord. Aber die Investoren sollten sich nicht in Sicherheit wiegen. Im Jahr 2017 müssen die Weltwirtschaft und damit auch alle gehandelten Aktien und Anleihen neu bewertet werden, denn selbst wenn einige Fundamentaldaten gleich geblieben sind, haben sich viele andere eindeutig verändert.

Mindestens zwei Jahrzehnte lang stimmten die Investoren mit den Ökonomen und Politikwissenschaftlern darin überein, dass sich die Welt verkleinert und stärker integriert hat. Mit dem Aufstieg Chinas und Indiens nahm plötzlich ein Drittel der Weltbevölkerung als Arbeiter und Konsumenten an der Weltwirtschaft teil. Neue Technologien hatten günstige Kommunikationsmöglichkeiten, fortgeschrittene Roboter und immer mächtigere Möglichkeiten der Datenanalyse zur Folge. Dadurch konnten die Unternehmen ihre Warenlager verkleinern und ihre Angebotsketten integrieren.

Unterdessen entwickelten die Politiker Regulierungs- und Handelssysteme, die zur Abschaffung von Zöllen, zu durchlässigeren Grenzen und zur Öffnung interessanter neuer Märkte führten. Erfolgreiche Unternehmen versuchten, diese Gelegenheiten zu nutzen, und die Investoren hielten Ausschau nach den besten von ihnen.