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Invasion der Kulturräuber?

Auf der ganzen Welt spukt das Gespenst der ``Amerikanisierung'' herum. Allenthalben werden die Auswirkungen dieser Entwicklung dämonisiert. Bisweilen wird sogar das Bild aus dem (natürlich amerikanischen) Science-Fiction-Film Invasion of the Body Snatchers strapaziert, in dem feindliche Mächte unmerklich unseren Körper und unseren Geist übernehmen. Diese Invasionsrhetorik verfehlt jedoch die Komplexität des überall um uns stattfindenden kulturellen Wandels.

In der Diskussion um die Amerikanisierung bietet allerdings weder die eine noch die andere Seite eine überzeugende Erklärung dieses Phänomens. Die einen sehen die Amerikanisierung als eine bösartige Form des ``kulturellen Imperialismus'' der offenbar aus der wachsenden Marktdominanz amerikanischer Medienkonzerne resultiert. Dagegen muss festgehalten werden, dass zahlreiche Mediengiganten wie die im japanischen Besitz befindliche Sony, die kanadische Seagram, das Imperium Murdochs oder die deutsche Bertelsmann-Gruppe längst nicht mehr in amerikanischem Besitz sind, auch wenn sie mit amerikanischen Kulturformen ihr Geschäft machen.

Selbst wenn diese Medienunternehmen in amerikanischem Besitz stünden, wäre es wohl zu einfach wenn man behauptete, dass Kulturkonsumenten in der ganzen Welt nichts als Wachs in den Händen gewiefter Marketing-Experten wären. Plausibler ist die Annahme, dass es bestimmte Elemente sozialer, psychischer und ästhetischer Gratifikation gibt, die die Basis für die enorme Resonanz amerikanischer Kulturformen bilden und damit auch für ihre kommerzielle Nutzung.

Die andere Seite in den Diskussionen um die Amerikanisierung betont die befreiende antiautoritäre Kraft amerikanischer Populärkultur. Zu gewissen Zeiten mag dies durchaus der Fall gewesen sein. Im Deutschland der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts beispielsweise, hatte die amerikanische Jugendkultur durchaus eine starke antiautoritäre Komponente, die dem Autoritarismus entgegenwirkte und den Prozess der Demokratisierung in der Nachkriegszeit unterstützte.