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Die falschen Lehren aus dem Irakkrieg

WASHINGTON, DC – Sieben Jahre nachdem die britische Regierung den Chilcot-Bericht in Auftrag gegeben hat, um aus der Beteiligung des Vereinigten Königreichs am Irakkrieg „Lehren zu ziehen“, ist der Untersuchungsbericht endlich in diesem Monat vorgelegt worden. Doch in der fieberhaften Konzentration auf die Fehleinschätzungen des ehemaligen Premierministers Tony Blair und den Verlauf der britischen Beteiligung am Krieg an der Seite der Vereinigten Staaten drohen die eigentlichen Lehren verloren zu gehen.

Für viele Kritiker beweist das Scheitern des Irakkrieges, dass interventionistische westliche Außenpolitik sowohl sinnlos als auch unmoralisch ist. Doch Interventionen sollten niemals anhand des Erfolges oder des Scheiterns der vorangegangenen beurteilt werden. Nach der gescheiterten US-Intervention in Somalia 1993 war es diese Logik, die im Jahr darauf dazu geführt hat, dass es die Regierung Bill Clinton versäumt hat zu handeln, um den Völkermord in Ruanda zu verhindern, der rückblickend durch sehr begrenzte Maßnahmen hätte beendet werden können.

Die Intervention im Irak hat Hunderttausende Iraker getötet, das Land zerrüttet und auch Tausende von US-amerikanischen und britischen Soldaten das Leben gekostet. Die tragischen Folgen der Intervention im Irak wirken bis heute nach, denn sie dient heute als abschreckendes Beispiel für jegliche Intervention.

Präsident Barack Obama hat seine Weigerung, in Syrien militärische Gewalt einzusetzen, ausgenommen gegen den sogenannten Islamischen Staat, wiederholt damit begründet, ein zweites Irak vermeiden zu wollen. Zudem sind seine Entscheidungen von den britischen Reaktionen auf Irak beeinflusst worden.