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Kehrt die Inflation zurück?

FRANKFURT: Nach Jahren niedriger Inflation sind die Preise in den letzten Monaten fast überall gestiegen. Am ausgeprägtesten war dies, überwiegend aufgrund von Lieferengpässen im Gefolge der Lockdowns, bei Energie und Rohstoffen. Doch während diese Hindernisse weitgehend als vorübergehend betrachtet werden, was nahelegt, dass dieser inflationäre Ausschlag nach oben bald vorbei sein wird, sind weitere Faktoren im Spiel, die nahelegen, dass das nicht passieren wird.

Der wichtigste dieser längerfristigen Faktoren ist die rapide Zunahme der Geldmenge. Die meisten monetären Aggregate (nicht bloß das Zentralbankgeld) sind in atemberaubendem Tempo gestiegen, auch wenn diese Entwicklung die Notenbanken und viele Ökonomen nicht zu beunruhigen scheint. Angesichts der Tatsache, dass das Geld in den führenden Modellen zur Erklärung der Inflation inzwischen keine Rolle mehr spielt, wird das berühmte Dictum des Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman, die „Inflation [sei] immer und überall ein geldpolitisches Phänomen“, heute kaum noch zitiert.

Die „Geldmengentheorie“ postuliert, dass die Kausalität der Inflation vom Geld zu den Preisen hin verläuft. Tatsächlich scheinen empirische Belege Friedmans Hypothese in Bezug auf eine moderate Inflation weitgehend untergraben zu haben. Doch es bleibt eine Tatsache, dass die Nominallöhne und die Preise für Waren und Dienstleistungen ohne entsprechende Ausweitung der Geldmenge nicht immer weiter steigen können. Auch kann ein starkes Geldmengenwachstum im Laufe der Zeit die Risiken bei der Entwicklung der Vermögenspreise und der Finanzstabilität steigern.

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