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Die Inflation kommt nach China

SHANGHAI – Man kann die makroökonomische Lage innerhalb eines Landes mit einem Fließgewässer vergleichen. Wie stark und schnell ist die Strömung? Wo beginnt sie und wohin geht sie?

Die „Hauptströmung“ der chinesischen Volkswirtschaft besteht aus dem enormen Zustrom von ausländischen Investitionen. Chinas Wirtschaft neigt zu einem starken Wachstum, verbunden mit einer regen Investitionsnachfrage, von der ein starker kurzfristiger Inflationsdruck ausgeht. In sofern setzt China zur Förderung der makroökonomischen Stabilität seit Beginn seiner Markreformen auf Kreditkontrolle und eine genaue Überwachung der Geldmenge.

Im Jahre 2003 jedoch, nach fünf Jahren der Deflation, trat Chinas Volkswirtschaft in eine neue Phase ein. Die Überkapazitäten verschwanden, Konsumbeschränkungen wurden aufgehoben, und es kam zu einem drastischen Anstieg der Nachfrage der privaten Haushalte.

Seit dieser Zeit erlebt die Schwerindustrie – Stahl, Automobilbau, Maschinenbau, Baumaterialien, Energie und Rohstoffe – einen nie da gewesenen, die Nachfrage nach Gebäuden, Wohnungen, Transport, Infrastruktur und der Erneuerung von Betriebsanlagen in den Städten widerspiegelnden Investitionsboom. Es überrascht daher nicht, dass die Wirtschaft begonnen hat, sich zu überhitzen.