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Indien übernimmt die Führung

Als Indiens neuer Finanzminister Chidambaram den Haushaltsplan für 2004/05 vorlegte, war dies ein entscheidender Schlag gegen die Armut. Indien ist ein Land in Bewegung, mit einem schnellen Wirtschaftswachstum und einer unglaublichen Dynamik im Bereich der Informationstechnologie. Doch gleichzeitig ist Indien die Heimat von über 300 Millionen Menschen, die weit unter der Armutsgrenze leben. Bei den Wahlen im Mai dieses Jahres hatte die ländliche Bevölkerung die bis dahin regierende Koalition abgewählt. Die Lektion war klar: Kümmert euch endlich um die arme Landbevölkerung. Die neue Regierung hat dieser Wählerschicht ihr Gehör geschenkt und ein Programm vorgelegt, das in seinen Implikationen für Indien und die Länder der Dritten Welt von außerordentlicher Tragweite ist.

Indiens neue Regierung wird von einem wahrhaftigen "Dream Team" geleitet, was internationale Entwicklung betrifft. Premierminister Manmohan Singh ist einer der weltweit führenden Wirtschaftswissenschaftler auf dem Gebiet Entwicklung. Es war Singh, der Mitte 1991 als Indiens Finanzminister im Land Marktreformen einzuführen begann. Er baute die jahrzehntelang existierenden uneffizienten und wirkungslosen Handels-, Investitions- und Wirtschaftsbeschränkungen der Regierung ab und setzte damit den Startschuss zu mehr als einem Jahrzehnt Wirtschaftswachstum, das Indien in dieser Geschwindigkeit in seiner ganzen Geschichte noch nicht erlebt hatte.

Als Singh dieses Frühjahr als Premierminister in die Regierung zurückkehrte, brachte er ein erfahrenes und international renommiertes Team von Experten mit sich ins Kabinett, einschließlich Finanzminister Chidambaram, der bereits Mitte der neunziger Jahre das Amt des Finanzministers erfolgreich bekleidet hatte, und Dr. Montek Singh Ahluwalia, der der Planungskommission vorsteht - der wichtigsten Instanz bei der Einschätzung von Indiens mittelfristigen öffentlichen Investitionsstrategien.

Als die bisherige Regierung im Mai dieses Jahres die Wahl verlor und Singhs Regierung die Amtsgeschäfte übernahm, gab es Befürchtungen, dass Singhs Bemühungen von den Koalitionspartnern des linken Flügels vereitelt werden könnten; es bestand die Möglichkeit, dass sie als Preis für ihre Mitwirkung in der Koalition fordern würden, die geplanten Marktreformen zurückzunehmen. Chidambarams Haushaltsplan für 2004/2005 hat diese Befürchtungen ad acta gelegt. Der Plan ist eine brillante Lektion in Bezug auf wirtschaftliche Entwicklung: Er zeigt, wie man eine schnelle Durchsetzung von Marktreformen mit dringend notwendiger Aufmerksamkeit auf die Bekämpfung der Armut kombinieren kann. Kurz: Der Plan ist ein Modell für alle Entwicklungsländer.