Indiens zweiter großer Aufstand?

Bei all seiner langen Geschichte ist Indien ein junges Land mit 70% der Bevölkerung unter 30 Jahren. Die Zahl derer, die sich noch an die blutige Teilung von 1947 erinnern, aus der Indien und Pakistan als unabhängige Staaten hervorgingen, nimmt ab und für die junge Generation ist Pakistan nicht mehr ein verlorengegangener Teil der großen Nation, sondern ein feindlicher Nachbar, der die gewalttätige, fundamentalistische Dschihad-Bewegung unterstützt. Leider überträgt sich das Misstrauen gegenüber Pakistan auch auf die moslemische Gemeinschaft Indiens, die über 100 Millionen Menschen umfasst, aber nur 12% der indischen Bevölkerung darstellt.

Trotz der Teilung war die Stimmung in Indien in den ersten Jahrzehnten der Unabhängigkeit von Idealismus und Hoffnung geprägt. Die meisten Moslems sahen in dem ersten indischen Premierminister Jawaharlal Nehru den wahren Erben der Vision Mahatma Gandhis eines toleranten, multi-nationalen indischen Staates. Auch mehrere der moslemischen Regierungsmitglieder Nehrus wurden landesweit, über die religiösen Grenzen hinweg, respektiert. Die Moslems vertrauten Nehru stillschweigend und sein Indischer Nationalkongress hatte fast ein Monopol auf die Stimmen der Moslems.

Diese Unterstützung wankte auch angesichts der schwierigen Lebensbedingungen der moslemischen Minderheit nicht, zu der auch eine unverhohlene Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und bei der Gewährung von Regierungsgunst gehört. Schlimmer noch, man hielt die Moslems für so etwas wie eine Fünfte Kolonne innerhalb Indiens, die es darauf anlegte, das Land noch weiter zu spalten. Solche Unterstellungen kochten nicht selten zu religiösen Ausschreitungen hoch, bei denen die Moslems über 90% der Opfer zu beklagen hatten. Niemand ist jemals für diese Tode zur Verantwortung gezogen worden.

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