Die revolutionäre Wiedereinsetzung der Gandhis in Indien

Am Tag vor der Bekanntgabe des sensationellen indischen Wahlergebnisses herrschte im Land die Ruhe vor dem Sturm. Anstatt kämpferische Parolen auszugeben, waren die Parteien still mit den Berechnungen möglicher Koalitionsvarianten beschäftigt, denn allseits erwartete man unklare Mehrheitsverhältnisse. Der 12. Mai jedoch brachte einen „Tandava", einen die totale Veränderung symbolisierenden indischen Tanz, einen Schicksalstanz.

Tatsächlich blieb in der indischen Politik kein Stein auf dem anderen. Die scheinbar leblose und führungslose Kongresspartei wurde zum Sieg katapultiert. Mit diesem Sieg ist auch die Wiedereinsetzung der Familie Nehru/Gandhi verbunden, welche die indische Politik seit der Unabhängigkeit vor einem halben Jahrhundert dominierte.

Der stärkste Faktor bei diesem Überraschungsvotum war der Zorn der Wähler über die Bharatiya Janata-Partei (BJP). Die regierende BJP, der größte Partner in der Regierungskoalition der Nationaldemokratischen Allianz (NDA) brachte dem Land zwar beispiellose Wachstumsraten, aber ihre Politik und, noch wichtiger, ihre Sprache schien die große Mehrheit der armen Inder zu ignorieren, die von der neuen High-Tech-Wirtschaft des Landes nur wenig profitierten. Die BJP führte einen Wahlkampf, als hätte sie sich für die vielen positiven Änderungen eine Krönung verdient. Ihrer Krönung zogen die indischen Wähler allerdings die Wiedereinsetzung der Gandhis vor.

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