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Die Revolution der Analphabeten in Indien

Die USA waren in der Frage der Minderheitenförderung, der so genannten Affirmative Action, lange Zeit gespalten. In diesem System wurden Angehörige von ethnischen Minderheiten bevorzugt behandelt, um die anhaltenden Folgen der Sklaverei und der Diskriminierung von Afroamerikanern zu überwinden. In Indien zeichnet sich momentan die gleiche Spaltung ab und auch der Grund ist der gleiche – nämlich das Programm der so genannten „reservierten Plätze“, das darauf abzielt, die jahrhundertelange Diskriminierung aufgrund der Kastenzugehörigkeit zu beseitigen. Aber die guten Absichten Indiens sind ebenso fehlgeleitet wie die Strategien der Minderheitenförderung in Amerika.

Die grundsätzliche Frage ist, ob Leistung als Kriterium des Aufstiegs nicht mehr zählt, wenn es das Vermächtnis der Diskriminierung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit oder einer Kaste gibt. Kämpfen diejenigen, die sich für Minderheitenförderung engagieren, eher für das Heilmittel eines Kurpfuschers als für eine echte Lösung?

Tatsächlich ist das indische System der „reservierten Plätze“ ein bewusstes Ablenkungsmanöver, das es der Regierung ermöglicht, die wahren Probleme zu verschleiern, nämlich den Benachteiligten im Land Zugang zu Grundschulausbildung zu verschaffen. Hätten die Armen in Indien – oder, wie im obigen Fall die armen Afroamerikaner in den Städten Amerikas - Zugang zu adäquater Grundschulbildung, gäbe es keine Notwendigkeit für reservierte Plätze im Hochschulwesen oder sonst wo.

Tatsächlich kann sich jeder Inder, der in der Lage ist, diesen Artikel zu lesen, glücklich schätzen, denn der indischen Politik ist es gelungen, die Mehrheit der Bevölkerung als (arme und kranke) Analphabeten zu erhalten. Statt allen eine qualitätsvolle Grundschulausbildung zu ermöglichen, sind unsere Politiker damit beschäftigt, Maßnahmen aufgrund der Kastenzugehörigkeit zu beschließen, die auf kurzfristige politische Gewinne abzielen.