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Indien: die Macht von Bollywood

Die Welt hat viel über die außergewöhnliche Verwandlung Indiens während der letzten Jahre gehört, und sogar über seine Ansprüche, an der „Führung der Welt“ teilzuhaben. Manches davon ist Übertreibung, doch in einer Hinsicht könnte Indiens Stärke unterschätzt werden.

Was macht ein Land zu einer weltweiten Führungsmacht? Ist es seine Bevölkerung, militärische Stärke oder wirtschaftliche Entwicklung? Egal, welches davon man als Maßstab anlegt: Bei jedem hat Indien enorme Fortschritte gemacht. Es ist auf dem besten Wege, China bis 2034 als bevölkerungsreichstes Land der Welt zu überholen, verfügt über die weltweit viertgrößte Armee sowie Atomwaffen und ist nach Kaufkraftparität bereits heute die fünftgrößte Volkswirtschaft der Erde. Und es wächst weiter, obwohl ein allzu großer Teil seiner Bevölkerung noch immer in Armut lebt.

Doch obwohl all diese Indikatoren gemeinhin zu Beurteilung des globalen Status eines Landes herangezogen werden, könnte etwas sehr viel weniger Greifbares, aber im 21. Jahrhundert deutlich Wertvolleres wichtiger sein als alles oben Genannte: Indiens „Soft Power“.”

Man denke etwa an Afghanistan – für Indien ein ebenso bedeutendes Sicherheitsproblem wie für die Welt insgesamt. Doch einer der wichtigsten Einflussfaktoren Indiens in diesem Land rührt nicht aus seiner dortigen Militärmission her (es hat keine), sondern aus einer einfachen Tatsache: Versuchen Sie nie, einen Afghanen abends gegen 8 Uhr 30 anzurufen, denn zu dieser Zeit läuft dort in Dari-Synchronisation im Tolo TV die indische Seifenoper Kyunki Saas Bhi Kabhi Bahu Thi , und die will niemand verpassen.