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Vertrauen in Regulierung?

LONDON: Vom nächsten Jahr an müssen alle Mitglieder des britischen Oberhauses – ich bin eines von ihnen –, wenn sie ihren Eid auf die Königin leisten, eine schriftliche Erklärung unterzeichnen, in der sie sich zu Ehrlichkeit und Integrität verpflichten. Untadelige Grundsätze, könnte man sagen. Doch bis vor kurzem wurde angenommen, dass Personen, die ernannt werden, um den Souverän zu beraten, bereits über ausreichend Ehrlichkeit und Integrität verfügten, um dies zu tun. Die Annahme war, dass sie aus Personengruppen ausgewählt wurden, die einen Ehrenkodex verinnerlicht hatten.

Das war einmal. Alle Peers müssen nun öffentlich versprechen , ehrlich zu sein. Nur einer hatte den Mumm, aufzustehen und zu sagen, dass er das neue Verfahren entwürdigend fand.

Auslöser für die Verhängung dieses Verhaltenskodex war ein Skandal über die Abgeordnetenspesen, der Großbritanniens politische Klasse für einen Großteil des Jahres 2009 erschütterte.

Es war ein Skandal mit tiefen historischen Wurzeln. Bis 1910 erhielten britische Abgeordnete keine Vergütung. Dann wurde eine Bezahlung eingeführt, die jedoch unter dem Einkommensniveau der freien Berufe lag, mit der Begründung, dass die Mitglieder des Parlaments bereit sein müssten, im Dienste ihres Landes gewisse persönliche Opfer zu bringen.