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Europas Plan A

FRANKFURT – Europas Politiker sind heute verzweifelt auf der Suche nach jemandem, den sie die Schuld an der Eurokrise zuschieben können. Deutschland macht Frankreich verantwortlich und umgekehrt. Sogar Anwälte werden schon bemüht, um herauszufinden, wer die rechtliche Verantwortung für die Konstruktionsfehler der Währungsunion trägt.  

Im Zuge der Verschärfung der Krise hat sich unterdessen ein neuer Konsens hinsichtlich der europäischen Währungsunion herausgebildet. Dieser Auffassung zufolge wurde der Euro in einem Anflug von Euphorie und unverantwortlichem Optimismus  - oder, alternativ, der Panik  angesichts der möglichen deutschen Hegemonie über Europa – im Gefolge des Falles der Berliner Mauer konzipiert.  

Nichts könnte der Wahrheit ferner liegen. Der Bericht über die Wirtschafts- und Währungsunion in der Europäischen Gemeinschaft, in dem das Grundkonzept des Euro dargelegt ist, wurde im April 1989 präsentiert – zu einer Zeit, als niemand (außer vielleicht ein paar Kreml-Strategen) über eine deutsche Wiedervereinigung nachdachte. Außerdem verstand man die augenfälligsten Probleme im Zusammenhang mit Währungsunionen sehr gut, weswegen man von allen Anfang an Lösungsvorschläge für die bedeutsamsten Hindernisse darlegte.

Die Arbeitsgruppe, die den – nach ihrem Vorsitzenden Jacques Delors benannten – Delors-Bericht erstellte,  war eine grundsätzlich eher konservativ eingestellte Gruppe von Zentralbankern, der sogar der Gouverneur der Bank of England (BoE) angehörte. In den internen Debatten hob man zwei Probleme einer möglichen Währungsunion hervor.