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Die Anatomie der globalen Schulden

LONDON – Der Internationale Währungsfonds hat Ende Mai seine neue globale Schulden-Datenbank in Betrieb genommen. Erstmals haben die IWF-Statistiker aufgeschlüsselt nach Ländern eine umfassende Reihe von Berechnungen öffentlicher und privater Schulden zusammengestellt und so eine Zeitreihe erstellt, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zurückreicht. Es ist eine beeindruckende Arbeitsleistung.

Der errechnete Nettowert ist atemberaubend. Die globalen Schulden haben mit 225% vom globalen BIP einen neuen Höchstwert erreicht, der den vorherigen globalen Rekord des Jahres 2009 von 213% noch übersteigt. Es hat also, wie der IWF festgestellt hat, auf globaler Ebene seit der Finanzkrise von 2007-2008 tatsächlich kein Schuldenabbau stattgefunden. In einigen Ländern hat sich die Zusammensetzung der Schulden verändert; im Gefolge der Krise wurden private Schulden durch öffentliche Schulden ersetzt. Aber diese Verlagerung hat inzwischen weitgehend aufgehört.

Sind diese hohen Zahlen alarmierend? In der Gesamtsumme möglicherweise nicht. In einer Zeit, in der das Wirtschaftswachstum fast überall robust ist, sind die Finanzmärke, was die Nachhaltigkeit der Schulden angeht, entspannt. Die langfristigen Zinsen sind nach wie vor bemerkenswert niedrig. Doch stützen die Zahlen in der Tendenz die Hypothese, dass die sogenannte Schuldenintensität des Wachstums zugenommen hat: Wir scheinen höhere Schuldenniveaus zu brauchen als in der Vergangenheit, um eine vorgegebene Wachstumsrate zu erreichen.

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