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Der IWF versteht die Eurokrise immer noch nicht

WASHINGTON, DC – Im Juli veröffentlichte das Unabhängige Evaluierungsbüro (IEO) des Internationalen Währungsfonds einen umfassenden Bericht darüber, wie der Fonds seit 2010 mit der Eurokrise umgegangen ist. Sein Verhalten wird dort sehr kritisch bewertet, aber ebenso wie in früheren Selbsteinschätzungen des IWF fallen viele grundlegende Themen unter den Tisch.

Insbesondere argumentiert das IEO, der Fonds sei Gefangener der europäischen Interessen gewesen – was angesichts dessen, dass ein Drittel seines Vorstands aus Europäern besteht, kein Wunder ist. Auch mit seinen Annahmen, „Europa ist anders“ und „plötzliche Stopps können in der Eurozone nicht auftreten“, lang der IWF falsch.

In einer Finanzkrise müssen die Behörden schnell die zugrunde liegenden Probleme lösen und das Vertrauen wiederherstellen. Genau dies hat die Regierung der Vereinigten Staaten im Herbst 2008 getan, während die europäischen Politikern zauderten – ein Punkt, den das IEO nicht erwähnt.

Auch die Effektivität der IWF-Programme werden im Bericht nicht überprüft. Nehmen wir Griechenland, wo die Maßnahmen des Fonds offensichtlich nicht ausgereicht haben. 2009 betrug das griechische Haushaltsdefizit 15% des BIP. 2010, mit einem IWF-Programm, ging es dann zurück, aber nur auf 11% des BIP. Unterdessen führten die drei baltischen Staaten – Estland, Lettland und Litauen – im Jahr 2009 Haushaltsstraffungen in Höhe von 9% des BIP durch.