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Ich will Al Dschasira!

NEW YORK – Der Al-Dschasira-Korrespondent Ayman Mohyeldin ist auf einem Siegeszug in den Vereinigten Staaten, oder besser gesagt, Al Dschasira schickt ihn auf seinen eigenen Siegeszug. Denn schließlich ist Mohyeldin ein bescheidener Kerl, obwohl er einer der bekanntesten Reporter des arabischen Senders – und zweifellos ein aufsteigender internationaler Medienstar ist.

Al Dschasira hat allen Grund, sich zu freuen, denn der Sender hat ein neues Image in den USA, seitdem Millionen von US-Amerikanern, begierig nach Informationen direkt vom Ort des Geschehens, den Online-Livestream mit Mohyeldins Berichterstattung vom Tahrir-Platz einschalteten. Also ist Mohyeldin jetzt für drei Wochen in den USA und besucht Medienevents – es ist sogar ein Fotoshooting für GQ geplant – und er ist eine Berühmtheit geworden in einem Land, in dem das Publikum grundsätzlich daran gehindert wird, seinen Sender einzuschalten.

Der Sender steht seit 2003 im Visier der US-Regierung, als ihn der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney und der ehemaliger Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit einem Arm von Al Qaida gleichsetzten. Zwei Reporter des Senders wurden später in Bagdad getötet, als ein US-Panzer auf das Hotel Palästina feuerten, wo laut offiziellen US-Quellen ein Scharfschütze auf US-Truppen schoss. Aber da man wusste, dass Al Dschasira sein Team in dem Hotel untergebracht hatte, äußerten der Sender selbst und andere den Verdacht, dass die Reporter absichtlich angegriffen worden waren.

Und obwohl Al Dschasira längst, zusammen mit der BBC, zu einer der ersten globalen Quellen für seriöse Fernsehnachrichten geworden ist, ist es noch heute so gut wie unmöglich, ihn in den USA einzustellen. Die wichtigsten Kabel- und Satellitenunternehmen weigern sich, ihn anzubieten – so dass er trotz großer Nachfrage nur in der Hauptstadt Washington und in Teilen von Ohio und Vermont empfangen werden kann.