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Hu Jintaos Chance

Der aufgrund des Hurrikans Katrina verschobene und nun bevorstehende Besuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao in den Vereinigten Staaten wird sich von vorangegangenen bilateralen Treffen unterscheiden. Diese Zusammenkunft der Präsidenten beider Länder erfolgt zu einem Zeitpunkt, da die Handelsbilanz zwischen den USA und China sowie andere wirtschaftliche Angelegenheiten wie der Schutz geistiger Eigentumsrechte im Mittelpunkt der amerikanischen Aufmerksamkeit stehen.

Nachdem der chinesische Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA letztes Jahr einen Wert von 200 Milliarden Dollar erreichte, hat man in Amerika zunehmend das Gefühl, entschlossene Maßnahmen ergreifen zu müssen. Mancherorts ist man der Meinung, das Handelsbilanzungleichgewicht stehe im Zusammenhang mit der Kopplung der chinesischen Währung an den US-Dollar. Ein kürzlich vorgelegter Gesetzesentwurf des amerikanischen Kongresses fordert die Einhebung von Strafzöllen auf chinesische Importe im Ausmaß von 27,5 %.

Tatsächlich ist dieses Handelsbilanzungleichgewicht komplizierter als die Währungsfrage per se. Durch die Globalisierung kann Kapital leichter dorthin fließen, wo Investitionen die höchsten Erträge versprechen. Auf der anderen Seite wandern preisgünstige Industriegüter aus Niedriglohnökonomien in die entgegengesetzte Richtung. Unter anderem deshalb ist China für amerikanische Investoren interessant und daher kaufen auch US-amerikanische Kunden chinesische Produkte.

Natürlich hat der Wechselkurs Auswirkungen auf Investitionen und Handel. Aber selbst in Anbetracht der chinesischen Bestrebungen, die Kopplung des Renminbi an den Dollar aufzuweichen, ist es fraglich, ob eine Währungsaufwertung amerikanische Jobs sichern oder die US-Handelsbilanz verbessern könnte. Immerhin ist China nicht das einzige Problem: Indien und andere wettbewerbsfähige Entwicklungsländer stellen eine ähnliche Herausforderung für die USA dar.