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Wie Trump Amerika schwächen würde

CAMBRIDGE – Donald Trump, mutmaßlicher Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei in den USA, äußerte sich zutiefst skeptisch hinsichtlich des Wertes amerikanischer Bündnisse. Dabei handelt es sich um eine Weltsicht des 19. Jahrhunderts.

Damals folgten die Vereinigten Staaten dem Rat George Washingtons, „verstrickende Bündnisse“ zu vermeiden. Man hielt sich an die Monroe-Doktrin, die sich auf amerikanische Interessen in der westlichen Hemisphäre konzentrierte. In Ermangelung eines großen stehenden Heeres (und mit einer Marine, die in den 1870er Jahren kleiner war als die Kriegsflotte Chiles) spielten die USA im globalen Machtgleichgewicht des 19. Jahrhunderts eine untergeordnete Rolle.

Das änderte sich grundlegend mit Amerikas Eintritt in den Ersten Weltkrieg, als Woodrow Wilson mit dieser Tradition brach und amerikanische Truppen für den Kampf nach Europa entsandte. Überdies schlug er die Bildung eines Völkerbundes vor, um die kollektive Sicherheit auf globaler Basis zu organisieren.

Aber nachdem der Senat im Jahr 1919 eine Mitgliedschaft der USA im Völkerbund abgelehnt hatte, blieben die Truppen daheim und Amerika „kehrte zum Normalzustand zurück“.  Obwohl man es mittlerweile zu einem bedeutenden globalen Akteur gebracht hatte, präsentierten sich die USA durch und durch isolationistisch. Das Fehlen von Bündnissen in den 1930er Jahren ebnete den Weg für ein desaströses Jahrzehnt, das von wirtschaftlicher Depression, Völkermord und einem weiteren Weltkrieg geprägt war.