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Ein Ende für die griechische Tragödie

SANTIAGO – Die europäischen Staats- und Regierungschefs denken angesichts der drohenden Realität einer Insolvenz Griechenlands offenbar immer mehr über einen „Plan B“ nach, bei dem es auch um Schuldenerlass geht, um die Belastung durch zukünftige Rückzahlungen zu verringern. Das ist ein willkommener Kontrast zu den Optionen, die bisher auf dem Tisch lagen und bei denen es immer, wenn auch mit unterschiedlichen Bezeichnungen, darum ging, ein Land mit noch mehr Schulden zu belasten, das bereits viel zu viel davon hat.

Heute beträgt die Staatsverschuldung Griechenlands fast 160 Prozent seines offiziellen Bruttoinlandsprodukts. Angenommen, es würde 25 Jahre dauern, um die Verschuldung auf den Schwellenwert von Maastricht von 60 Prozent zu bringen. Angenommen, der reale Zinssatz betrüge vier Prozent (ungefähr das, was Griechenland jetzt für die Notkredite von der Europäischen Union bezahlt) und das Bruttoinlandsprodukt stiege im Durchschnitt um zwei Prozent an, dann müsste der notwendige primäre Haushaltsüberschuss jedes Jahr für die nächsten 25 Jahre bei 5,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Das ist eine unvorstellbar hohe Belastung, die Griechenland unter Umständen zu permanenter Rezession und sozialen Unruhen verurteilen würde.

Ein mögliches Gegenargument ist, dass Griechenland eine große Schattenwirtschaft hat, das Bruttoinlandsprodukt also tatsächlich höher ist als die offiziellen Zahlen. Daraus folgt, dass die allgemein angenommen Verschuldungsraten zu hoch angesetzt wären. Aber die Produktion der Schattenwirtschaft ist von geringem Nutzen für den Schuldendienst, wenn sie nicht besteuert werden kann. In jedem Fall ist der Spielraum für Steuererhöhungen in einer schnell schrumpfenden Wirtschaft extrem klein.

Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Griechenlands Schuldenlast ist zu hoch und muss reduziert werden. Dafür gibt es zwei Optionen: radikale Kürzung des Zinssatzes, den das Land zahlt, oder Reduzierung des Nennwerts der Schulden.